Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722948
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Wohnhaus auf der Insel Delos. 
zweiter innerer Hof hinzugefügt wird. Was aber die Prostas, in deren 
hinteren Wand die Mesaulos-Metaulos angebracht ist, anbelangt, so be- 
hält dieselbe ihre Bedeutung und ihre durch die Aufstellung des heiligen 
Heerdes bedingte Würde auch hier vollkommen bei, und wird diese ganze 
Anordnung um so wahrscheinlicher, als aus ihr Form, Anlage und Stel- 
lung des in dem römischen Hause so wichtigen Tablinum abgeleitet werden 
kann, dem die Prostas, wie wir später zeigen werden, sehr wahrscheinlich 
zum Vorbilde gedient hat. 
Es bedarf wohl kaum einer Bemerkung, dafs die obigen Beschrei- 
bungen nur eine ganz allgemeine Norm für die Anlage des Wohnhauses 
enthalten, dafs aber in der Wirklichkeit bedeutende Abweichungen von 
dieser allgemeinen Norm stattgefunden haben. Man blicke auf die grofse 
Verschiedenheit der in Pompeji erhaltenen Gebäude, die im Allgemeinen 
auch die Norm des römischen Hauses zeigen, im Einzelnen aber durch- 
weg von einander abweichen; man blicke auf die tausendfach verschie- 
dene Gestaltung des modernen Wohnhauses und man wird sich leicht ver- 
gegenwärtigen können, wie sehr auch bei der Gestaltung des griechischen 
Hauses Zufall, Lage und Ausdehnung des Terrains, sowie die persön- 
lichen Verhältnisse und Bedürfnisse der Besitzer zu den mannigfachstcn 
Abweichungen von der allgemeinen Regel haben führen müssen. S0 zeigt 
auch das einzige Beispiel eines erhaltenen Privatbaues so grofse Ab- 
weichungen, dal's es schwer wird, auch nur die Haupttheile der oben 
geschilderten Häuser darin wiederzuerkennen. Es ist dies ein auf der Insel 
Delos aufgefundenes Gebäude, dessen Grundrifs wir unter Fig. 93 mit- 
theilen. Dasselbe zeichnet sich durch ein sehr schönes Vestibulum, rrgomi- 
Äawv (A) aus, welches sich auf der der Slrafse zugewendeten schmalen 
Seite befindet und aus zwei Säulen ionischer Ordnung zwischen zierlichen 
Anten besteht (Fig. 94). Rechts und links führen kleine Thüren (1 und 2) 
in Seitenräume, während die grofse Thür (3) sich in einen schmalen Gang 
öffnet, in welchem der Flur (B) zu erkennen ist. Die Aule, auf welche 
dieser Gang mündet, ist nur sehr klein und schmal und scheint alles 
Säulenschmuckes entbehrt zu haben  Leider sind die Räume, welche 
an Gang und Hof sich ansehliefsen, von den Archäologen, die diese Baulich- 
keit untersucht haben, nicht näher charakterisirt; nur dafs bei F eine 
Cisterne sich befindet, wird angegeben. Der Raum D, der sich nach 
beiden Seiten öffnet, ist vielleicht als eine, freilich sehr schmale Prostas 
aufzufassen, wonach der rechts davon liegende Raum E der Thalamus sein 
würde; G kann dann der innere Hof gewesen sein, doch scheinen auch 
hier keine Säulen aufgefunden worden zu sein. Die Herausgeber. erklären
        

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