Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722911
Das Wohnhaus. 
und Hof; der Heerd. 
Thüx, Flur 
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den Flur führende Hausthür scheint meist in der Flucht der Fagade gelegen 
zu habenl; die Ausdrücke ngößvgov und rrgomilatov aber deuten darauf 
hin, dal's in einigen Häusern wenigstens sich ein kleiner Raum vor der Thür 
befunden habe, der baulich charakterisirt und entweder mit Antenpfeilern 
oder auch, wie dies aus den Ueberresten eines erhaltenen Privathauses her- 
vorgeht, mit Säulen verziert werden konnte. Auf dem Grundrifs ist dies 
Propylaion mit 1 bezeichnet. Neben demselben stand, wenn auch nicht 
in der Regel, doch gewifs nicht selten, das Bild des Apollon Agyieus  
sowie vielleicht weiter vor dem Hause ein Bild des wege- und verkehr- 
beschützenden Hermes in Form einer blofsen Säule oder eines Pfeilers 
aufgestellt war. 
Den Hof schmückte, wenigstens der Regel nach, ein Altar, der freistehend 
und von allen Seiten sichtbar, dem Zeus Herkeios als dem obersten Schutz- 
gotte des Hauswesens geweiht war, wie dies auch in dem homerischen Königs- 
hause schon erwähnt wird, während sich in weniger zugänglichen Theilen, die 
aber mit der Säulenhalle zusammenhingen (alae, 4 und 5), nach Petersenls 
Ansieht die Heiligthümer der Ösoi xrjazoz, der Besitzgebenden, sowie der 
ösot mxzgaiot, der angestammten Familien- oder Geschlechtsgötter be- 
fanden. Von dem Hofe aus tritt man in den offenen Saal, der gleichsam 
die Grenzscheide für den öffentlichen und den engeren Familienverkehr des 
Hauswesens ausmacht und welcher den geeignetsten Raum für die Ver- 
Sammlungen der Familie zu den Opfern und den gemeinsamen Mahlzeiten 
darbietet. Ich stehe daher auch nicht an, hier den Heerd, das Heiligthum 
des Hauses und zugleich der allerhaltenden Göttin l-lestia anzunehmen. 
Ursprünglich wohl als wirklicher Feuer- und Kochheerd dienend, blieb er 
in späteren Zeiten, als schon besondere Räume für die Küche nothwendig 
geworden waren, noch immer der Mittelpunkt des Hauses, und alle Ereig- 
nisse des häuslichen Lebens wurden durch heilige Handlungenz an diesem 
Altar bezeichnet. v Besondere Veranlassung zur Verehrung der Ilestiaql 
sagt Petersen, n, boten alle wichtigeren Veränderungen im häuslichen Leben: 
Abreise und Rückkehr, Aufnahme in's Haus, selbst bei den Sklaven, die 
überhaupt an dem häuslichen Gottesdienst der Hestia als Hausgenossen 
Theil hatten, wie Verlassen desselben, daher besonders Geburt, Namen- 
gebung, Hochzeit und Tod. Einer besonderen Heiligkeit erfreute sich ihr 
1 Eine solche Hauslhür siehe u. a. bei: Gerhard, Triukschalen des königlichen Mu- 
seums zu Berlin. Taf. XXVIII. 
9 Petersen, der Ilausgottesdienst der allen Griechen, in der: Zeitschrift für Ailerlhums- 
Wissenschaft. 1851. S. 199. Petersen setzt den Altar in den grofsen Männersaai, welcher 
bei ihm die beiden Höfe trennt. 
königlichen
        

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