Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das Leben der Griechen und Römer
Person:
Guhl, Ernst Koner, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-721757
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-722881
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'Das Wohnhaus der 
historischen Ze 
eigentliche bürgerliche Wohnhaus der Griechen, dessen Kenntnifs zur Ver- 
anschaulichung griechischer Sitte und griechischen Lebens während der 
Blüthezeit der Nation für uns die gröfste Wichtigkeit hat. 
Als Ausgangspunkt für dieses letztere kann trotz mancherlei Ver- 
schiedenheiten und Abweichungen das homerische l-Iaus betrachtet werden. 
Unter den Verschiedenheiten ist namentlich hervorgehoben worden, dafs 
bei Homer die Frauenwohnung sich stets in einem oberen Stockwerke 
befinde, wogegen in dem Wohnhause der späteren Zeit die Wohnungen der 
Frauen und Männer zwar ebenfalls getrennt, aber der Regel nach neben- 
einander liegen. Doch scheint in manchen Fällen auf diesen Unterschied 
ein zu grofses Gewicht gelegt worden zu sein; denn auch in den Herren- 
häusern der homerischen Zeit konnten die Wohnungen der Frauen neben 
oder hinter denen der Männer liegen, ohne dal's dadurch die Anordnung 
zweier Stockwerke ausgeschlossen würde, und ebenso ist auch für die 
historischen Zeiten die Anordnung eines Obergeschosses liir die Wohnung 
der Frauen anfser Zweifel gesetzt. 
Andererseits aber hat das historische Haus, soweit wir dasselbe kennen, 
auch manches mit dem homerischen Gemeinsame. Dahin gehört vor allen 
Dingen der Umstand, dafs der Hof einen sehr bedeutsamen Theil desselben 
ausmaehte. Von Säulen umgeben, wie dies beim homerischen Hause der 
Fall war, bildet derselbe gleichsam den Mittelpunkt, um welchen sich die 
übrigen Theile des Hauses gleichmäßig gruppiren und in welchen die ein- 
zelnen Gemächer sich zu ölfnen pflegen. In Bezug auf Großartigkeit der 
Anlage und Pracht der Ausstattung aber stand das Wohnhaus der histo- 
rischen Zeiten weit hinter den homerischen Herrenhäusern zurück. Ganz 
abgesehen davon, dafs in den letzteren mächtige Fürsten und Könige, in 
den ersteren dagegen Bürger und Privatleute wohnten (von deren Be- 
hausungen bei Homer gar keine Nachrichten erhalten sind), so war es 
überdies eine besondere Eigenthümlichkeit des griechischen Volkes, dafs 
es in den besten Zeiten seiner Geschichte wenigstens alle Pracht, allen 
Luxus auf die Ausstattung der Tempel und anderer tilfentlichen Gebäude 
verwendete, während die Privatwohnungen klein und bescheiden, im Sinne 
verwöhnter Zeiten vielleicht geradezu dürftig blieben. In der Oeffentlichkeit 
war die Heimath des Griechen, in den Stoen und Agoren verkehrte er, 
"in der Pracht und Gröfse der Tempel fand er Freude und stolze Be- 
friedigung, und erst seit der makedonischen Zeit, als die Gröfse und 
Freiheit von Hellas gesunken war, traten Luxus und Hoffarth in Aus- 
schmiickung der Privatwohnungen hervor, und zugleich beginnen die Klagen, 
dal's die öffentlichen Gebäude, mochten sie den Zwecken des Staatslebens
        

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