Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Technik der Aquarell-Malerei
Person:
Fischer, Ludwig Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-738486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-739645
langen, erst die Localtöne feststellt und die Zeichnung zuletzt 
malt, so dass über dieselbe nicht mehr gemalt wird, um der 
Zeichnung die Schärfe nicht zu benehmen. 
Es gibt eine ganze Reihe optischer Gesetze, welche in der 
Malerei ihre Anwendung finden, und welche häufig nur durch 
die Construction unseres Auges bedingt sind. S0 ist für den 
Maler wichtig zu wissen, dass Farbentöne, scharf neben 
einander gesetzt, auf das Auge einen viel stärkeren 
Eindruck machen als solche, welche ineinander 
verlaufen. Wenn man daher Farben in einzelnen Flecken 
neben einander zu setzen versteht, so dass sie zwar zusammen- 
stossen, nicht aber ineinander fliessen, so erzielt man eine viel 
intensivere Wirkung, da die Farben mehr in ihrem Gegensatze 
zu einander wirken. Man kann sich von dieser Wirkung leicht 
überzeugen, wenn man einen verlaufenden Ton anlegt, worin 
eine Farbe langsam in eine andere übergeht. Die Grenze, wo 
die eine aufhört und die andere beginnt, wird sehr schwer zu 
finden sein. Man wird aber Ton- und Farbenunterschiede sofort 
sehr gut gewahr, wenn man entweder aus diesen verlaufenden 
Streifen ein Stück herausschneidet und die übrig gebliebenen 
Enden wieder zusammenfügt, oder wenn man ein Stück weisses 
Papier darüber legt, in welches in einem gewissen Abstande 
zwei Oeffnungen ausgeschnitten wurden. Die Chromolitho- 
graphen bedienten sich auch dieses Mittels, um einen be- 
stimmten Ton oder Farbe eines Bildes genau zu ermitteln. 
Ueber die fragliche Stelle wird ein Papier mit einem quadrati- 
schen Ausschnitte von circa v, Centimeter gelegt, und so der 
Ton von seiner Umgebung scharf abgegrenzt und auf diese 
Weise leichter beurtheilt. 
Dieses Nebeneinandersetzen der Farben kann, geschickt 
angewendet, besonders in der Figurenmalerei zu schönen Effecten 
verhelfen, leicht aber auch zur Brutalität verleiten. Die guten 
spanischen und italienischen Maler sind Meister darin; ihre 
farbenprächtigen, klaren Bilder verdanken ihre Entstehung der
        

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