Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Technik der Aquarell-Malerei
Person:
Fischer, Ludwig Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-738486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-739602
malt, wird damit beginnen, seinen Berg in den verschiedenen 
Nuancen von Orange zu malen, und erst nachher wird er die 
blauvioletten Schattenflächen hineinmalen. Nun tritt aber der 
unangenehme Umstand zu Tage, dass durch die Vermischung 
von Blauviolett und Orange als cornplernentäre Farben eine 
Mischfarbe entsteht, welche das Blau sehr beeinträchtigt und 
wahrscheinlich eine Neigung zum Grün besitzt, eine Farbe, die 
kaum den Intentionen des Malers entsprechen wird.  Jener, 
welcher nach dem zweiten Principe malt, wird zuerst die 
blauen Schatten seines Berges und dann erst die Lichtliächen 
orange bemalen, dadurch wird er beide Farben rein erhalten. 
wohl aber leicht in den Fehler gerathen, zu bunt zu werden, 
da beide Farben schroff gegenüber stehen. Dieser Fehler ist 
aber leicht zu corrigiren, ein Hauch von Orange genügt, um 
das Blau zu brechen und harmonisch zu machen. 
Dieses etwas derbe Beispiel regt aber vielleicht den Leser 
in einem ähnlichen Falle an, darüber nachzudenken, wie er 
beide Arten verbinden kann, und ein Verfahren auszudenken, 
welches beiden die Mitte hält. Erinnert man sich auf früher 
Gesagtes (Fig. 25), dass ein Ton, nass in Nass gemalt, eine 
Farbe die andere verdrängt, so wäre vielleicht der besagte 
Vorwurf am besten auf folgende Art zu behandeln: 
Ich male meinen Berg mit blassem Orange und setze die 
blauen Schattentöne nass in Nass ein, dieselben verbinden sich 
auf diese Weise nur theilweise mit dem Orange, die breiteren 
Flächen werden genügend blau erscheinen und weich ineinander 
fliessen. Wenn diese Arbeit so weit gediehen, so bleibt es noch 
immer offen, nach dem Trocknen die Töne im Orange sowohl 
als jene Schattentöne zu verstärken; ich habe dabei noch Ge- 
legenheit, durch diese Correctur Details hineinzuzeichnen, wo 
sie nöthig sind. 
Ich möchte nicht zur Meinung Anlass gegeben haben, als 
wollte ich ein Recept angeben, wie man Berge zu malen hat, 
benütze aber diese Gelegenheit, bei obigem Beispiele noch zu 
verweilen, um an dieses gleich ein anderes anzufügen, welches
        

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