Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Technik der Aquarell-Malerei
Person:
Fischer, Ludwig Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-738486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-739446
Zeichnung des Schattens wirkt in der Regel so überzeugend, 
dass sich die Phantasie alles Fehlende ergänzt. Ich erinnere 
hier an den Umstand, der häufig bei sehr guten Bildern vor- 
kommt, dass sie beim ersten Anblicke durch eine in's kleinste 
Detail eingehende Zeichnung überraschen, während dieselben 
bei näherer Betrachtung durchaus nicht so durchgeführt er- 
scheinen. Die Täuschung liegt eben darin, dass jene gemalten 
Farbeniiecken so richtig am Flecke sitzen, dass die Phantasie 
des Beschauers sich unwillkürlich alles Fehlende ergänzt. 
Aus dem Gemälde von T. van Elven (Fig. 24) ersieht man, 
wie Licht- und Schattenpartien, breit neben einander gesetzt, 
die Gesammtwirkung des Bildes sofort zum Ausdrucke bringen. 
Die Contraste von Licht und Schatten in der Natur, am 
auffallend sten 
in 
einer 
VOII 
der Sonne 
beschienenen 
Landschaft 
mit 
weitem 
Horizonte 
ZU 
beobachten , 
stehen 
immer 
in 
einem 
bestimmten Verhältnisse zu einander, und zwar so, dass bei 
jenen dem Beschauer zunächst stehenden Objecten dieselben 
am stärksten sind, und je weiter gegen den Horizont gerückt, 
die Unterschiede von Licht und Schatten immer kleiner werden, 
ja bei sehr entfernten Gegenständen im Tone sich oft gar nicht 
mehr unterscheiden, sondern nur durch die Farbe. 
Aber auch jeder einzelne Theil für sich, Licht sowohl 
wie Schatten, nimmt in demselben Verhältnisse mit der Ent- 
fernung ab. Besondere Beleuchtungseffecte können wohl manch- 
mal eine Abweichung von dieser Regel hervorbringen. Der 
häuüg gebrauchte Ausdruck Luftperspective wurzelt in 
dem eben Gesagten, oder wenn man will, in der scharfen 
Beobachtung der durch Zufälligkeiten oder Beleuchtungseffecte 
bedingten Abweichungen. 
In einem ähnlichen Verhältnisse wie Licht und Schatten 
stehen auch die Schatten zu ihren Refiexen, deren genaue 
Beobachtung von nicht geringer Wichtigkeit ist. Jeder von 
der Sonne beschienene Körner hat bekanntlich seinen eigenen 
Schatten, den Selbstschatten, und jenen Schatten, den er 
auf seine Umgebung Wirft, den Schlagschatten. Je nach
        

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