Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Technik der Aquarell-Malerei
Person:
Fischer, Ludwig Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-738486
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-739777
verwenden dieselbe, um auf Seide die Farbe besser haften zu 
machen. Uebrigens kann es ja vorkommen, dass das Papier 
durch das Berühren mit der Hand fett wird und das YVasser 
nicht haftet. In diesem Falle hilft ein Ueberstreichen dieser 
Stelle mit Ochsengalle. 
Die käufliche präparirte Ochsengalle leidet aber häufig an 
dem Uebelstande, dass sie trotz der Präparirung in Fäulniss 
übergeht und einen widerlich faulen Geruch erhält, der viele 
Maler von dem Gebrauch derselben abhält. Die präparirte 
Ochsengalle von Günter Wagner leidet meines Wissens an 
diesem Uebelstande nicht. 
Es empfiehlt sich, wenn man dieselbe als Auffrischungs- 
mittel für Aquarelle verwendet und nicht als Entfettungsmittel, 
2-3 Tropfen weissen Gummi arabictim in das Flacon zu geben. 
Eiweiss kann auch zu demselben Zwecke dienen, ist 
aber leider nicht aufzubewahren und muss deshalb stets frisch 
verwendet werden. Gut zu Schaum geschlagenes Eiweiss lässt 
man einige Zeit stehen, bis sich am Grunde des Gefässes das 
Eiweiss wieder als Flüssigkeit sammelt. Mit dieser, nach Bedarf 
mit Wasser verdünnt, übergeht man die trüben Stellen des 
Aquarelles. 
ALISSBTClCIII erwähne ich noch: den Aquarelllirniss von 
Soehnee freres (Paris, rue de lilles du Calvaire 19), der aus in 
ätherischen Oelen und Spiritus gelösten Harzen besteht, mit 
welchem Mittel man ebenfalls jene aufzufrischenden und durch- 
sichtig zu machenden Stellen übergeht. Auch bei Gebrauch 
dieses Mittels ist vor wzu viele zu warnen. Die zu übergehende 
Stelle soll nicht öfter als zweimal übergangen werden, sonst 
gibt es auch hier jene glänzenden unschönen Flecken. Der 
eigentliche Zweck dieses Firnisses ist aber, als solcher ange- 
wendet zu werden und hat den Vortheil, dass er wenig glänzt. 
Manche Maler wenden auch Leinöl, welches die Oelmalex 
gebrauchen, an, indem sie einzelne Stellen, welche besonders 
dunkel und tief erscheinen sollen, mit dem mit Leinöl benetzten 
Finger 
einreiben.
        

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