Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749509
handelt sich hiebei natürlich zunächst um ein absolutes Verhältnis, 
um einen absoluten Maßstab, wonach die Größe des Dessins eines 
für den Faltenwurf bestimmten Stoffes über ein gewisses lilaß 
nicht hinausgehen soll, in welchem Sinne z. B. eine über die ganze 
Fläche des Teppichs ausgebreitete, einheitliche Zeichnung für den 
Faltenwurf unter allen Umständen untauglich ist. Des weitern aber 
hängt die zulässige Größe des Dessins und sein Charakter auch 
noch ab von der speciiisehen Qualität des Stoffes, weil diese wieder- 
um die Größe der Falten, wie nicht minder die Art ihrer Zeichnung 
bestimmt. Seide bricht in scharfen Ecken und Contouren, Wolle 
in weichen, elastischen Linien u. s. f. Dass ein feines Stilgefühl 
auch diese Umstände in der ornamentalen Behandlung verschieden- 
artiger für den Faltenwurf bestimmter Stoffe berücksichtigen soll, 
steht außer Zweifel, und es wäre eine dankbare Aufgabe für den 
Specialisten der Textilbranche, diesen Zusammenhang zwischen spe- 
citischer Qualität und ornamentaler Charakteristik des StoiTes aus- 
führlich und vom Standpunkt des Kunstgewerbes aus klarzulegen. 
Ganz im Allgemeinen lässt sich sagen, dass ein Stoff umso tauglicher 
für den Faltenwurf sein wird, als er kleiner gemustert ist; denn ein 
kleines Muster bleibt unter allen Umständen, selbst im verwickelt- 
sten Faltengewirre, verständlich.  Diesen Vorzug, und er ist kein 
geringer, haben alle orientalischen Teppiche. 
Gegensatz 
und 
Übereinstimmung 
Vorhang. 
zwischen 
YVand 
und 
Jede architektonisch gegliederte WVand besteht, wie wir wissen, 
aus drei Theilen: dem Sockel, als dem untersten, dem Mittelfelde, 
als dem Haupttheile, und dem Fries, als dem bekrönenden, endi- 
genden Theile. 
Auch der herabfallende Vorhang gliedert sich dreifach, nur ist 
die Art dieser Gliederung von jener der WVand wesentlich verschie- 
den. Das Hauptfeld nämlich, anstatt sich nach auf- und abwärts zu 
begrenzen, klingt sozusagen nach unten aus  in dem Saume und 
der darauf folgenden, freiendigenden Bordure. Während die Wand 
also gewissermaßen emporwächst und oben im Fries ihren Abschluss 
findet, fällt der Teppich herab, sich in der Bordure verlaufend: 
worin der Gegensatz zwischen Wand und Teppich gelegen ist. Da- 
gegen stimmen Wand und aufgehängter Teppich (Draperie) darin 
vollständig überein, dass bei beiden das Dessin von unten nach auf-
        

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