Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749475
In gleicher Weise erscheint auch in der pompejanischen Wand- 
malerei der Fries als ein der Decke verwandtes Motiv durchgebildet, 
was in der luftigen, leichten und lichten Ornamentation vortrefflich 
zum Ausdruck gebracht wird; ein Stilmoment übrigens, welches 
wir nach den engen verwandtschaftlichen Beziehungen, welche pompe- 
janische und hellenische Decorationsweise verbinden, als für die 
gesammte antike Praxis maßgebend betrachten dürfen. 
So sehen wir also wirklich in der Decke einen Bestandtheil des 
architektonischen Innenraumes, dessen stilistische Idee im Friese 
vorbereitet wird, im Friese, dessen Stellung zum Wand-Mittelfeld 
proportional ist der Stellung der Decke zur gesammten Wand. 
Im analogen Verhältnisse aber steht, wie schon ausgesprochen, 
der Sockel zum Fußboden. 
Dieser muss daher im Vergleiche zur Decke in allem Wesent- 
lichen diejenigen Unterschiede an sich tragen, welche der Sockel 
gegenüber dem F ries aufweist. 
Das ist nun zunächst die verstärkte constructive Bedeutung bei 
gleichzeitig geringerer Eignung für freie und reiche ornamentale 
Decoration,  im weitern dann die darausfolgende stilgerechte 
Consequenz. Der Fußboden ist der im eigentlichen Sinne des 
Wortes tragende Theil des architektonischen Raumes, denn er trägt 
uns selbst, den geistigen Mittelpunkt dieser ganzen beziehungsreichen 
ornamentalen Welt, eine Wahrnehmung, welche mit jedem Schritt, 
den wir machen, sich uns factisch und unwiderleglich aufdrängt. 
Mit dieser eminent constructiven Eigenschaft des Fußbodens 
geht Hand in Hand seine geringe Eignung für reiche ornamentale 
Behandlung und lichte Farbengebung. Dagegen sind einfache 
Zeichnung und  wenigstens in überwiegendem Maße  dunkle 
Farbe hier nur allzu natürliche stilistische Forderungen. Schon die 
Thatsache übrigens, dass das auf den Fußboden auffallende Licht 
in unser nach unten mit keinem Schutze versehenes Auge unmittel- 
bar reilectiert wird, schließt eine lichte und farbenreiche Behandlung 
des Fußbodens von vornherein aus; nicht minder auch der Um- 
stand, dass von den Bildern aller drei Theile des Innenraumes bei 
weitem am häuügsten und längsten das Bild des Fußbodens in unser 
Auge gelangt und dies völlig unwillkürlich und ohne dass wir uns 
dagegen schützen könnten; wie selten blicken wir dagegen z. B. 
gegen die Decke auf! 
Schon aus diesen rein natürlichen Gründen ergibt sich also das 
Erfordernis, den Fußboden nicht zum Gegenstand reicher Decoration
        

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