Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749445
ganzen Wandfläche; ihm kommt der Sockel als das Stützende zu- 
nächst; zuletzt folgt  (in der Regel wenigstens)  der frei endi- 
gende und bekrönende Fries.  Aber noch in einem zweiten ästhe- 
tischen Gesetze spricht sich der constructive Gedanke der Wand, 
wie er eben geschildert worden ist, deutlich aus: nämlich in der 
stilgerechten farbigen Behandlung der Wandbekleidung. 
Stets nämlich wird die dunkelste Farbe für den Socke], die 
hellste für den Grund des Frieses gewählt. Die dunkeln Töne stehen 
eben zweifellos in einer Art Empfindungsverwandtschaft mit unserer 
Vorstellung von "schwer"; die lichten dagegen in derselben Verwandt- 
schaft mit unserer Vorstellung von "leicht". 1)  Im Übrigen freilich 
scheint es, dass nach der Analogie des natürlichen Landschaftsbildes, 
in welchem die läräftigsten, also dunkelsten Töne im Vordergrund 
zu unsern Füßen sich lagern, von hier nach dem Horizonte, also 
nach oben zu, allmählich verblassend und zuletzt in den lichten 
Tinten des Äthers verlaufend,  dass, sage ich, nach der Analogie 
dieses natürlichen Landschaftsbildes, in welchem unser Auge die 
dunkelsten Töne zu unterst, die hellsten zu oberst zu sehen gewöhnt 
ist, auch die Abtönung der XVand von unten nach oben zu er- 
folgen hat. 
Die 
Decke. 
YVir haben aus dem Bisherigen genügend erkannt, dass es 
wesentlich auf die Lage, in welcher eine Fläche sich zur mensch- 
lichen Persien befindet, bei der ornamentalen Gestaltung jener 
ankommt. 
Daraus lässt sich ermessen, in welch' naher stilverwandter Be- 
ziehung die Decke zum Fußboden steht. Ist sie doch, geometrisch 
betrachtet, dessen völliges Spiegelbild. Und wirklich haben wir in 
der Decke genau die gleichen Stilmomente ins Auge zu fassen, als 
beim Fußboden, nämlich peripherische Anordnung bei völligem orna- 
mentalem Gleichgewicht innerhalb allgemeiner Richtungsverschieden- 
heiten. (Siehe darüber oben.) 
Die Decke, als ornamentale Einheit und für sich betrachtet, 
enthält somit für uns keine neue Aufgabe nach den über die Fuß- 
bodenbekleidung gemachten Mittheilungen. Dagegen ist sie in Bezug 
auf ihre Stellung zur Wandfläche und innerhalb des architek- 
 Nun ist der Sockel im Sinne der oben gegebenen Autfassung von der Wand 
der schwere, weil tragende, der Fries der leichte, weil nicht tragende Theil derselben.
        

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