Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749432
Verbindung beider, herzustellen. In diesem Sinne auch sind die 
Wandtiächen eines Raumes (etwa die vier Seiten eines Gemaches) 
bloß als eine einzige, lediglich nach oben und unten begrenzte Einheit 
aufzufassen und ist eine Theilung derselben z. B. nach den Kanten 
in den ZlDIlIIlGYWIDkGlIl keineswegs ornamental wesentlich. In einem 
Raum von runder Grundfläche entfällt demnach diese Theilung ohne 
die geringste Beeinträchtigung der ornamcntalen Gliederung der 
Wandrlache, desgleichen auch häufig in eckigen Räumen, bei welchen 
die Wanddecoration über dic Ecken sich ohne ornamentale Unter- 
brechung fortzieht. Ebenso ist jede verticale F eldertheilung der 
Wandtlaehe ornamental willkürlich und in keiner Abhängigkeit von 
der Idee der Wand, welche vielmehr in der Horizontaltheilung in 
Mittelfeld, Sockel und Fries zum Ausdruck gelangt. 
Haben wir auf diese Weise einerseits den Sockel und Fries als 
in mancher Hinsicht verwandte Glieder der Wandfläche erkannt, so 
müssen wir sie doch anderseits bis zu einem gewissen Grade als 
Gegensätze betrachten. Dieser Gegensatz ergibt sich naturgemäß 
aus der verschiedenen Lage beider in Bezug auf das Mittelfeld. 
Trotz aller decorativen Bedeutung der ornamentalen Wandbeklei- 
dung liegt nämlich derselben doch immer auch ein eonstructiver 
Gedanke zu Grunde, wonach jede Wand als tragend, stützend, er- 
scheint. Schon die verticale, der Schwerkraftrichtung direet entgegen- 
gesetzte Stellung deutet darauf hin  ganz abgesehen von dem 
factisehen, rein materiellen Saehverhaltnis. Ist aber die YVand tra- 
gend, so ist natürlich derjenige Theil, welcher zu unterst liegt, der 
am meisten tragende; derjenige Theil, der zu oberst liegt, der am 
wenigsten, ja sofern die W and bloß sich selber stützt, zuletzt gar 
nicht mehr tragende. Jene erste Rolle des Tragens aber ist in der 
ornamental gegliederten Wand dem Sockel, diese letztere dem Fries 
zugetheilt. Der Sockel hat demnach als der stützende, der Fries als 
der bekrönende und endigende Theil der Wandflaehe zu gelten, wah- 
rend das Mittelfeld, als dem Kräfteconiliet entrückt, zum Getragenen 
selbst wird, auch in dieser Hinsicht seine dominierende Stellung unter 
den drei Theilen der Wand behauptend. 
Die dynamische Steigerung, welche sich im Verhältnis des Ge- 
tragenen zum Tragenden und endlich Bekrönenden ausspricht, erscheint 
nun in dem Maßverhältnis, welches den drei Theilen der gegliederten 
Wand zu Grunde gelegt ist, deutlich ausgesprochen. 
Diesem Verhältnis nach ist nämlich das Wand-Mittelfeld (das 
Getragene) der bei weitem überwiegende und breiteste Theil der
        

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