Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749429
Das Mittelfcld. Hinsichtlich seiner Bedeutung innerhalb der 
drei Theile der Wand selber gilt augenscheinlich das Analoge wie 
für das Mittelfeld des Fußbodens. Es ist der eigentliche Haupt- 
bestandtheil, der bestimmende, welchem die beiden andern (Sockel 
und Fries) sich unterzuordnen haben. 
Abgesehen hievon aber hat das Mittelfcld der Wand eine wesent- 
lich andere Aufgabe zu erfüllen und ist von einem ganz anderen 
Gesichtspunkte aus zu betrachten, als das Mittelfeld des Fußbodens. 
Zunächst und vor allem kommt hier die räumliche Lage der 
XVand in Betracht. Durch ihre mit dem Beschauer parallele Rich- 
tung, durch ihre vcrticale Stellung ist sie den Vorstellungen hoben" 
und nunten" unterworfen. Die erste Beziehung, welche der orna- 
mentalen Durchbildung der Wand zu Grunde liegt, ist dement- 
sprechend die des Aufrechten, das heißt, das eine solche Flache 
decorierende Dessin muss nach aufwärts gerichtet sein und in seinem 
YVachsthum von unten nach oben verlaufen. 1) (Siehe die Figur Seite 
39.) An Stelle somit der radialen d. h. vom Mittelpunkte nach dem 
Umfange gerichteten Ornamentation, wie beim Fußboden, tritt hier 
eine durchweg parallele. 
Ihr Gesammteffect ist, anstatt wie in jenem Falle Gleichgewicht 
(durch wechselseitige Aufhebung der Richtung), Verstärkung zu einer 
Gesammtrichtung, einer Gesammtbewegung. 
Aus diesem Grunde hat jede Wand einen Anfang und ein Ende, 
welche beide in ihrer ornamentalen Stellung zu einander mit den 
Grenzen hoben" und "unten" zusammenfallen  Grenzen, welche 
ihrerseits wieder bezüglich der Wand verschiedenerlei Function 
haben. 
Sockel und Fries. Die untere Begrenzung der Wand heißt 
ihr Sockel; die obere Begrenzung ihr Fries. 
Sockel und Fries sind der nach einer zweifachen Function ge- 
thcilte Saum der Wandfiäehe, welcher solcherart die YVand nicht bloß 
als ornamentale Einheit (durch die Begrenzung), sondern auch in ihrer 
Stellung innerhalb des Gesammtbildes (des architektonischen Raumes) 
kennzeichnet. 
Vermöge dieser Stellung hat die Wand, wie schon bemerkt, 
die Vermittlung zwischen Decke und Fußboden, die ornamentale 
1) Ein völlig nclitungsloses Muster ist wohl auch correct, aber unausgesprochen 
und daher wirkungslos.  
Beiläufig bemerkt, hängt damit zusammen, dass die Wand und nicht der Fuß- 
boden der wahre Ort bildlicher Darstellung ist.
        

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