Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749387
früh durch Mosaiken, lllarmorbelege und Estriche Ersatz gefunden 
zu haben; entgegen dem Gebrauche im Oriente, wo der Fußteppich 
stets die größte Rolle gespielt hat.  Erst in der spättern Zeit  
der alexandrinischen Periode,  da überhaupt der orientalische Ein- 
fiuss Griechenland immer mehr und mehr überflutete, fand der 
Teppich auch als Fußbodenbelaleidung Eingang,  vielleicht ein 
ursprüngliches und uraltes Recht damit wieder zurückerobernd. 
Es konnte nicht fehlen, dass diese große culturelle Bedeutung 
des Teppichs, zumal seine Verwendung im Dienste einer ursprüng- 
lichen Baukunst, ihren bestimmenden Einfluss ausübte auf die 
ornamentale Gestaltung dieses textilen Productes; genau in dem- 
selben Maße als auch umgekehrt die Verwendung textiler Producte 
am Anfange baulicher Entwicklung ihren Einiiuss üben musste auf 
diese selbst. Aus diesem Grunde einer Art von "Wechselbeziehung 
zwischen textiler Ornamentation und baulichen Stilgesetzen wird 
es Wohl am Platze sein, im Nachfolgenden diejenigen ornamentalen 
Gesetze in Erörterung zu ziehen, welche einerseits dem Stile des 
Textilornaments, anderseits demjenigen Tlieile der Architektur zu- 
grunde liegen, welcher specicll die Fliichendccoration (also die 
Wand-, Boden- und Deckenverziorung) zum Gegenstand hat. 
Die Fußbodenbelaleitlung. 
Sich als den Mittelpunkt der gesaininten Welt zu betrachten, 
ist dem Menschen von Alters her eine geläufige Vorstellung ge- 
wesen; war doch das astronomische Weltsystern der Antike auf 
dieser Vorstellung basiert und der Erde die erhabene Rolle des 
ruhenden Punktes i1n Weltraum zugethcilt, um welchen die ganze 
übrige Sternenwelt in endlosem Kreislauf begriffen ist. 
Wenn nun auch diesem etwas selbstgefälligen Wahne das 
Kopernicanische Weltsystem gründlich und für alle Zeiten ein Ende 
gemacht hat,  der natürlichen Vorstellung des menschlichen In- 
dividuums im Umkreise seiner persönlichen YVelt vermag derlei 
Erkenntnis wenig oder gar nichts anzuhaben. 
Vollends aber in der Kunst ist der Schein und die unmittelbar 
anschauende Vorstellungsweise der Phantasie das ewig bestimmende 
Gesetz, welchem gemäß die ganze Welt erst durch ihre Stellung zum 
Menschen und ihre Abhängigkeit von ihm die wahre Bedeutung erhält. 
In diesem Sinne wurde schon oben gesagt, dass die erste und 
natürlichste Beziehung zu der Ebene oder Fläche, auf der wir uns
        

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