Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749303
Rhythmische 
Theilung. 
Es wurde schon bei Besprechung der textilen lllaterialien 
daran erinnert, dass dieselben jene Gruppe structiver Producte bilden, 
welche von wesentlich eurhythmischer Zusammensetzung sind. Jedes 
textile Product ist von rhythmischer Structur, denn eine Anzahl glei- 
cher Einheiten, die Fiiden, verbinden sich in ihm zur Gesammtheit. 
Dieser Sachverhalt ist für das ganze, große Formengebiet tex- 
tiler Ornamentik von allermaßgebendstem Einflusse. Denn für die 
in unmittelbarer Abhängigkeit von der technischen Zusammensetzung 
stehende ornamentale Form muss es naturgemäß völlig bestimmend 
sein, welcher Art eben jene Zusammensetzung ist. 
Gleich an dieser ersten Stelle schon trennen sich deshalb die 
beiden Kunstprincipien der textilen und der tektonischen Formen. 
Im Tektonischen nämlich ist das technische Element auch for- 
males Element, nicht aber im Textilen. Denn während dort das 
einzelne Element (z. B. ein einzelner Stab im Gitterwerk) bestimmt 
ist, im Gesammtwerke (dem Gitter) eine ganz selbständige, indi- 
viduelle Rolle zu spielen und daher nicht leicht mit einem zweiten 
Element des Systems verwechselt werden kann, entfällt im 'l'extilen 
diese selbständige, individuelle Bedeutung des einzelnen technischen 
Elementes (d. h. Fadens) vollständig. Eurhythmische Gleichheit 
ist über alle Elemente des structiven Systems gebreitet; kein Ele- 
ment ist bestimmt, wie im Tektonischen, auf individuelle Weise aus 
dieser Gleichheit herauszutreten, keines berufen, selbständig und 
von einem zweiten verschieden zu functionieren. 
Aus diesem Grunde hat im Textilen das technische Element 
(der Faden) nicht die Bedeutung eines formalen Elementes, tritt 
vielmehr als solches gar nicht hervor oder besser, verschwindet in 
der eurhythmischen Gesammtheit. 
Diese technische Eigenthümlichkeit des dbxtilproductes ist neben 
seinem Flächencharakter der maßgebendste Bestimmungsgrund der 
ornamentalen Durchbildung. 
Eurhythmie ist somit das leitende Grundgesetz 
textiler Ornamentation; das eurhythmische Ornament 
das Ornament der textilen Form. 1) 
1) Es kann als ein bedeutsames Zusammentreffen bezeichnet werden, dass in 
der textilen Ornamentik püanzliche und geometrische Motive nicht bloß ihrer Con- 
iour-Verhältnisse wegen (siehe weiter oben), sondern auch deshalb vorwiegend Ver- 
wendung finden, weil ihre rhythmische Natur (siehe Capitel: Jilurhythmie") sich mit 
der rhythmischen Natur der Textilformen deckt.
        

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