Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749292
bildung der Fische) noch ein gewisser Nachklang an die pflanzliche, 
also "wirklichea Contourirnng bemerkbar macht, so verdrängt, ange- 
fangen beim Säugethier bis hinauf zum Menschen, der Umhüllungs- 
contour völlig den wirklichen und wird ausnahmslos und bis ins kleinste 
Detail zum Principe: W'ie wir dies ebensowohl am wallenden Flies 
des Thieres, als an der glatten Hautoberßäche des ltlenschen zu, 
beobachten Gelegenheit haben. 
Ans diesem Grunde, in Zusammenhang mit dem oben vorge- 
brachten, ist die pflanzliche Form neben der geometrischen das bei 
weitem hauptsächlichste Vorbild flacher Ornamentation, die thieri- 
sehe Form dagegen durch ihre Contour-Verhitltnisse dieser Dar- 
stellungsweise schon fremder und die menschliche Gestalt endlich 
vollends mit ihrem heiklen Contour einer Wiedergabe innerhalb der 
Grenzen des Flachmusters am schwersten zugänglich. 1) 
Haben wir hiermit dem Flachmuster in allem NVesentlichen 
seine ornamentalen Grenzen vorgezeichnet, so soll im Nachfolgenden 
derselbe Gegenstand in Bezug auf die uns hier beschäftigende Frage, 
die textile nämlich, in Untersuchung gezogen werden. 
Flächentheilung. 
Die Grundaufgabe jeder Flächendecoration ist die Flätchenthei- 
lung: die getheilte Fläche somit das Grundmotiv des Flaehorna- 
ments. WVir können in diesem Sinne eine dreifache Theilung unter- 
scheiden, nach Maßgabe der drei ornamentalen Grundgesetze, nämlich: 
Die rhythmische Theilung, die symmetrische Theilung und die 
proportionale Theilung. 
Wir wollen diese Theilrlngen zur Grundlage unserer Unter- 
suchung der textilen Formen machen. 
1) Einer falschen Auffassung des hier Gesagten vorzubeugen, muss constatiert 
werden, dass wir hierbei selbstverständlich stets eine fiachornamentzlle, nicht aber 
plastisch wirkende, malerische Darstellung im Auge haben. Diese letztere freilich 
kennt die geforderte Einschränkung nicht, da sie bloß auf Täuschung ausgeht und 
die Nachahmung der Natur, nicht ihre stilistische Einschränkung zur Aufgabe hat. 
Berechtigte Ausnahmen in diesem Sinne sind in der Textrie z. B. jene niederlän- 
dischen Teppichgewebe (Gobelins), welche vollständig auf dem Standpunkte der 
nachbildenden Kunst, also der Malerei stehen und sich daher der ornamentalen 
Gesetzmäßigkeit entziehen. Hier hat man bloß den Wunsch, dass die technischen 
Schwierigkeiten der correcten Vollendung des Werkes keine unübersteiglichen 
Hindernisse bieten mögen; mit dem Ornamentalen hat jedoch diese Kunstweisc nichts 
mehr zu thun. 
Feld egg, Grundriss der kunstgewerbl. Formenlehre. 5
        

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