Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749273
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Selbst die eigenthümliche Realistik des Chinesischen scheint mir 
diesen Sachverhalt zu bestätigen. Denn ich glaube, dass deren 
Ursache zuletzt darin zu suchen ist, dass der chinesische Stil sich 
mit der geschilderten perspectivischen Umgestaltung und Abkürzung 
des Naturbildes im großen und ganzen begnügt und so gleichsam 
der strengen stilistischen Auffassung des Detailes, wie sie der bis in 
die Einzelformen der Natur dringenden abendländischen Flachorna- 
mentik eigen ist, entrathen kann. 
Wie dem aber auch sein mag, unverkennbar ist in beiden Dar- 
stellungsweisen die Absicht, die Welt der Erscheinung mit ihren 
drei Dimensionen der Länge, Breite und Tiefe innerhalb die Grenzen 
der zwei Flächendimensionen zu bannen, nicht bloß faktisch 
und materiell, sondern auch zeichnerisch und in der Idee: Womit 
der erste Grundsatz des Stiles der Flachornamentil; erfüllt ist. 
Einschränkung 
des 
Flachmusters 
in 
Bezug 
auf 
den 
Contour. 
Das Au e vermav an kör erlichen Gebilden zweierlei Contouren 
 D 
(Umrisslinien) zu unterscheiden.  
Erstens solche, welche als wirkliche Linien  Kanten  den 
Kör er be renzen wie z. B. die Seiten eines Würfels der Rand 
 7 l 
einer Schüssel; und zweitens solche, welche zwar als Linien erscheinen, 
jedoch in Wirklichkeit als solche am Körper nicht vorhanden sind, 
z. B. der "Contour einer Kugel, der Contour des Kegel- und des Cy- 
lindermantels u. s. w. Letztere Contouren kann man passend schein- 
bare oder Umhüllunwscontouren nennen. 
C 
YVährend die wirklichen Contouren, angemessen ihrer wahrhaft 
körperlichen Nzxtur, in Bezug auf den Gegenstand, dem sie angehören, 
stets in der gleichen räumlichen Lage verharren, wechseln die schein- 
baren Contouren ihre Lage zu dem Gegenstande mit der Bcivegung 
des Auges. 
Jene Contouren, als die fixen, welche, so oft wir einen Gegen- 
stand wahrnehmen, stets als die Gleichen immer wiederkehren, 
werden zunächst geeignet sein, unser V orstellrlngsbild von dem 
Gegenstande auszubilden und sich daher gar bald mit demselben 
decken. 
Die scheinbaren Contouren dagegen, als die variabeln, werden 
schwerer und erst später sich zum Vorstellungsbild gesellen, weil 
erst wiederholtes und ausführliches Betrachten des Gegenstandes
        

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