Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749227
Die hervorragenden Eigenschaften des Leders, insbesondere 
seine Dauerhaftigkeit, Geschmeidigkeit, Zähigkeit und noch einige 
andere sogleich zu erläuternde Vorzüge haben sehr frühzeitig eine 
ausgedehnte Anwendung dieses natürlichen Textilproductes, ins- 
besondere als Bekleidungsmittel herbeigeführt. WVie in fast allen 
technischen Künsten, so gebiirt auch in der Gerberei den Chinesen 
das Prioriiäitsrecht, da schon im dritten Jahrtausend vor Christi 
diese Technik in China geübt wurde. Auch den übrigen Asiaten 
aber war die Bereitung des Leders und dessen mannigfache Ver- 
Wendung nicht fremd, so den Babyloniern, Persern und Indern. 
Desgleichen bildeten bei den Ägyptern die Ledermanufaetu- 
risten einen wichtigen Zweig der gewerbetreibenden Classe und. 
zahlreiche Überreste von Streifen aus gepresstem Leder, welche 
sich an Mumien vorfanden, geben Zeugnis von der hohen Entwicklung 
der genannten Industrie zu jener Zeit. 
Von den europäischen Völkern waren es insbesonders die ger- 
manischen Stamme, welche mit Vorliebe und Geschick sowohl die 
Gerberei als auch die Kürschnerei betrieben (wie denn überhaupt 
diese beiden Industrien naturgemäß stets in der innigsten iVechsel- 
beziehung mit einander gestanden haben) und hierin selbst ihre 
hocheivilisierten Nachbarn des Südens, die Römer, übertrafen. 
Wir wollen hier von der Bedeutung des Leders für das Kleider- 
wesen gänzlich absehed, dagegen aber der hervorragenden Verwend- 
barkeit dieses Productes als Verkleidungsmittel mannigfacher Art, 
wie es in der Buchbinderei und der sogenannten Galanteriewaren- 
erzeugung in Verwendung steht, in Kürze Erwähnung thun. 
Zu den herrlichsten und charakteristischsten Eigenschaften des 
Leders gehören außer den oben bereits genannten insbesondere noch 
seine Fähigkeit, Eindrücke aufzunehmen und zu behalten, also seine 
(allerdings nur bis zu einem gewissen Grade reichende) Treibbarkeit. 
und Pressbarkeit, ferner auch die besondere Fähigkeit, sich färben 
zu lassen, wie nicht minder seine Eignung, Vergoldung anzunehmen. 
Alle diese Eigenschaften prädestinieren sozusagen das Leder 
zur Flachendecoration, welche denn auch in der That kaum bei 
einem zweiten Materiale in gleicher Mannigfaltigkeit und Schönheit 
in Anwendung gebracht zu werden vermag. 
Das Princip der Fläehendecoration ist beim Leder, gemäß 
seinen angeführten Eigenschaften, ein zweifaches: Entweder es ,ist 
das der flachen plastischen Decoration, oder es beruht bloß auf der 
farbigen WVirkIIng.
        

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