Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749217
Pelzwerk. 
Die herrlichen Felle gewisser Katzenarten, insbesondere des 
Löwen und Panthers, ebenso der zottige Pelz des Bären oder die 
glatte Decke des Wolfes bekleideten, dem antiken Mythus zufolge, 
die Helden jener frühesten Zeit. Das Gleiche wissen wir von den 
alten Germanen, deren beliebtester Schmuck das Fell des Urs 
war, dessen mächtiges Gehörne über dem Haupte des Kriegers 
emporstieg; oder es war die" Helmzier gebildet aus den Fittigen 
und Klauen des Steinadler-s oder dem oEenen Rachen mancherlei 
Arten von Raubthieren.  
Es wäre die würdige Aufgabe eines speeiellen Capitels der 
Costümgesehiehte, die Verwendung natürlicher Thierfelle im 
Zusammenhang mit der Entwicklung des Costümes darzustellen; 
dabei würde sich zeigen, dass diese ursprüngliche Kunstform mehr 
als irgend eine zweite mythischer Natur ist und zuletzt auf der 
Vorstellung beruht, dass mit der Übertragung gewisser äußerer 
merkwürdiger Eigenschaften auch eine Übertragung der analogen 
innern Fähigkeiten stattfindet. Später dann und mit dem Fortschritt 
der Zeit und der Einsicht verblasst jene Vorstellung mehr und 
mehr, die Form allein hinterlassend, welche von diesem Augenblick 
an zum „Symbol" wird. 
Ein weiterer Grund für die Verwendung jenes thierischen Zie- 
rats in der ältesten ursprünglichen Costtimtracht scheint übrigens in 
einem bloßen Naehahmungstrieb zu bestehen, welcher, so sonder- 
bar es klingt, den auf der Höhe der Schöpfung stehenden Menschen 
veranlasst, das Thier oder eigentlich dessen Schmuck sich gleich- 
sam zum Modell zu nehmen. In der That gemahnen uns einzelne 
Fälle dieser Art, wie z. B. die bekannte indianische Kopfbekleidung, 
unmittelbar an den natürlichen Schmuck gewisser Thierarten, dies- 
falls an den Federnschmucl; des Truthahns, dessen bloße Nachbildung 
die indianische Kopfverzierung zu sein scheint. S0 hätte denn der 
Mensch auf primitiver Stufe, aber eben deshalb an entscheidender 
Stelle, seine erste ornamentale Anregung von da empfangen, wo 
aller Zierat und Schmuck nichts anderes sind, als Erscheinung en 
des natürlichen Waehstihums. 
Das 
Leder. 
' Unter Leder versteht man die von den Haaren befreite und 
durch Zubereitung (Gerbung) fiiulniswidersiändig gemachte Thierhaut.
        

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