Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749205
1. Entweder als behaarte Flache (also als Fell) oder 2. 
als beliederte Fläche oder endlich 3. als schuppige Fläche. 
(Die völlig glatte Hautoberfläche muss trotz ihres häufigen und 
insbesonders beim Menschen ausnahmslosen Vorkommens als eine 
aus anderen Gründen zu rechtfertigende Abnormitätt bezeichnet 
werden, welcher der natürliche ornamentale Ausdruck rhythmi- 
scher Textur eigentlich fehlt.) Der Grundsatz des Wachsthums 
ist in allen drei genannten Fällen der gleiche, denn sowohl Haare, 
als Federn und Schuppen sind nach demselben System des Über- 
greifens jeder nachfolgenden Partie über die vorhergehende ange- 
ordnet, ein System, das für diesen Fall einzig zweckentsprechend 
genannt werden muss: weshalb wir es denn auch in unseren in der 
Idee analogen Daeheindeckungen nachbilden. Die Richtung des 
Yvachsthilms ist dabei für alle Theile die gleiche und steht in un- 
mittelbarer Beziehung zur Bewegungsrichtung des Thieres, indem sie 
ihr gerade entgegengesetzt ist. Auf diese WVeise nämlich widerstrebt 
die behaarte, befiederte oder besehuppte Hautoberldäche der Fort- 
bewegung des Thieres am wenigsten, da z. B. beim Vogel die Luft 
am Gefieder gleichsam „treppab" streicht, ebenso am Pelz des be- 
haarten Thieres; in ganz gleicher Weise das Wasser an den Schuppen 
des Fisches. 
Es ist nicht unsere specielle Aufgabe, in derlei Betrachtungen 
über die Zweckmäßigkeit der Natur uns ausführlich zu ergehen, 
weder vom Standpunkte der Teleologie, noch von dem der modernen 
Anpassungstheorie; was wir aber aus solchen Dingen für unsern 
Gegenstand entnehmen dürfen, ist die Erkenntnis der außer- 
ordentlichsten Übereinstimmung zwischen Form und Zweck bei allen 
natürlichen Gebilden. Da wir eine gleiche Übereinstimmung als 
einen der Hauptgrundsätze ornamentaler Durchbildung in der Kunst 
erkannt haben, müssen wir hier in der Natur unsere Lehrmeisterin 
erkennen und bewundern. 
Im Übrigen hat man zu allen Zeiten den hohen künstlerischen 
und praktischen Wert des Thierfells als Bekleidungsstück des 
Menschen erkannt, und die Künste der Zubereitung des Felles zu 
Pelzwerk (Kürschnerei) oder Leder (Ledergerberei) sind demgemäß 
vielleicht die ältesten aller Gewerbe und schon zu einer Zeit ent- 
wickelt gewesen, als selbst die tibrige Textilktmst noch sehr in den 
allerersten Anfängen begriffen war.
        

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