Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749186
Stickerei. 
Am liebsten möchte ich Sempers schönes Capitel über diesen 
Gegenstand an diese Stelle setzen. Aber der uns gestattete 
Raum macht größere Knappheit zur Pfiicht, weshalb nur das 
Allerwichtigste hier mitgetheilt sei. 
Unter Sticken versteht man ein Aneinanderreihen von Faden, 
welche mittels Hilfe einer Nadel auf eine ilätchenartige Unterlage ge- 
heftet werden. Das Sticken ist somit eine zusammengesetzte Technik, 
in welcher man den Stich und die Unterlage (auf welcher derselbe 
vorkommt) zu unterscheiden hat. Und in der That sind diese beiden 
Elemente der Stickerei von einander abhängig, bedingt die Unter- 
lage der Stickerei den Stich derselben  wie wir sogleich sehen 
werden.  
Dem Stiche nach unterscheidet man zweierlei Arten von Stickerei, 
nämlich die Plattstickerei und die Kreuzstickerei. Bei jener bildet 
der Stich eine einfache gerade Linie von verschiedener Länge, bei 
dieser hingegen zwei sich rechtwinklig durchkreuzende, kurze Linien, 
deren Durchschnittspunkt als das eigentlich formale Element dieser 
Stickerei anzusehen ist. 
Während nun die Plattstickerei in Hinsicht ihres Stiches auf 
jedem beliebigen Stoff-Grund anzubringen ist und nur riicksichtlich 
ihres lllaßstabes und ihrer Farbenstimmung von ihm abhängt, er- 
fordert die Kreuzstickerei ein für allemal einen ganz bestimmten, 
netzförmigen Grund, den sogenannten Canevas oder Stramin (siehe 
weiter oben): infolge ihres Stiehes, welcher in diagonaler Richtung 
die Quadrate des Grrundnetzes übersetzt. 
Durch die Verschiedenheit des Stiches ist auch die Verschieden- 
heit in dem Stil der Ornamentik der beiden Stiekweisen bedingt. 
Der staffelförmige, in kleinen Quadraten absetzende _Contour der- 
Kreuzstiekerei verweist dieselbe ganz von selbst auf Ornamente mit 
geradliniger, geometrischer Zeichnung, wogegen die in der Richtung 
freie, in egalem Contour sich aneinanderreihende Stiehweise der Platt- 
stiekerei einer gleichen Einschränkung nicht bedarf. Das Muster" 
der Plattstickerei vermag daher ebenso gut geradlinige, geometrische, 
als pflanzliche und andere freicontourierte ornamentale Motive aufzu- 
nehmen, ohne in den Fehler zu verfallen, der Technik eine ihre 
Mittel überschreitende Aufgabe zuzumuthen.  
Beide Methoden der Stickerei waren den Alten bekannt und von 
großem Einfluss auf den jeweiligen Stil der Ornamentik.
        

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