Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749150
S0 rmag es denn für den ersten Anschein als unzureichend er- 
scheinen, wenn wir als gemeinsame Merkmale alles Flechtwerks  
also auch der beiden großen Gruppen von Spitzenwerk, der Nadel- 
spitzen und der Klöppelarbeit  folgende zwei bezeichnen: 1. Das 
beim Flechtwerk nothwendige Vorhandensein einer Anzahl von 
Fäden; 2. die Art, wie diese Fäden an den gemeinsamen Stellen 
mit einander verbunden werden, welches ein sich sowohl vom "Netz-u 
als nlliirkwerk" unterscheidendes "Flechten" ist. 
 Diesen beiden Merkmalen entsprechend hat auch das Geflecht 
seine Stelle im Textilen zwischen dem Gewebe und Geknüpfe; denn 
mit jenem hat das Geflecht das Merkmal der Fadenmehrzahl ge- 
meinsam, mit diesem die Lagerung der Fäden, welche nicht in zwei 
rechtwinklig sich kreuzenden Systemen von parallelen Fäden besteht, 
sondern zu Verschlingungen in einzelnen rhythmisch wiederkehren- 
den Verbindungspunkten führt. 
Stich der geuähten Spitzen. 
Am deutlichsten tritt die Verwandtschaft zwischen Gewebe und 
Geflechte (Spitzenwerk) in jener ältesten Form von Nadelspitzen 
hervor, bei denen ein theilwveise ausgezupftes Gewebe den Grund 
bildet, in welchem das Spitzenwerk mittels der Nadel eingeflochten 
(eingenäht) ist. Dagegen stehen die Klöppelspitzen dem Gewirke 
oder Genetze weit näher, denn sowohl im Grund, als in den einge- 
Hochtenen Mustern kommt es zu keiner wesentlich parallelen Lagerung 
dereFäden  wenigstens zu keiner, die als typische Struetur dieses 
Geflechtes aufzufassen wäre. (Siehe die Illustrationen S. 50.) 
Nach der Fabrication unterscheiden sich die Spitzen in zwei 
Gruppen: In die schon erwähnten Nadelspitzen, welche mittels der 
Nadel genäht werden, und in die Klöppclspitzen, bei deren Her- 
stellung die Fäden auf sogenannte Klöppeln gewickelt sind. 
Das Nähen der Spitzen erfolgt entweder auf einem später zu ent- 
fernenden Zeichenblatt, eauf welches der geklöppelte oder gewebte 
Grund vorher aufgentilht wird,'0der es ist durchaus freie Handarbeit. 
4:1!
        

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