Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749136
ganzen Geknüpften zur Folge hat oder nicht;  sowohl im er- 
sten Fall, welcher dem Gewirke entspricht, als auch im letztern 
Fall, beim Netzwerk, kommt es wesentlich bloß darauf an, dass 
an der gemeinsamen, geknüpften Stelle, solange sie intakt ist, der 
Faden festgehalten wird und also das Geknüpfte trotz der maschen- 
artigen Structur,  trotz seiner oft beträchtlichen Elasticität sein 
Gefüge nicht verliert und die einzelnen Maschen des Netzes oder 
des Gewirkes ihre ursprüngliche Lage zu einander unverändert 
beibehalten. Sowohl das Netzen als das Wirken erfolgt mittels 
Nadeln und ist entweder Hand- oder auch (wie heute theilweise) 
Maschinenarbeit. Dass das ganze Geheimnis der Kunst in der 
Knüpfung selbst gelegen ist und also der Knoten oder die Masche 
es ist, auf welche es hiebei wesentlich ankommt, braucht wohl kaum 
erst besonders hervorgehoben zu werden. 
Schon die Alten kannten die Kunst des Wirkens und Netzens. 
So hat sich z. B. eine Art itgyptischen Ziernetzwerkes aus Glas- 
perlen und Schnüren in einigen Stücken noch erhalten. Auch 
Griechen und Römer liebten diesen Schmuck und in Indien ist 
er in ähnlicher Art noch heute gebräuchlich. Ferner erzählen uns 
dic alten Schriftsteller von Netzen, die im Dienste des Krieges 
(als Harnisch) und zu Zwecken der Jagd und Fischerei (als Fang- 
netze) benützt worden sind; die letztern waren mitunter trotz ihrer 
Festigkeit so fein, dass ein einzelner ltIann davon soviel zu tragen 
im Stande war, als genügte, einen WVald zu umstellen.  In allen 
diesen Fällen ist vom Netzwerke die Rede, also solchem Geknüpfe, 
bei dem die Lösung einer Masche nicht die Lösung des ganzen Systems 
bedingt; aber auch das Wirkwerk ist den Alten bekannt gewesen; 
wenigstens wissen wir von einer Art Tricot-Beinkleidung, welche 
gestrickt (gestrickt ist im wesentlichen identisch mit gewirkt) ge- 
wesen sein dürfte und von den assyrischen Kriegern getragen wurde. 
Die WVirk- (Strumpf-) WVarenindustrie, welche sich heutigen 
Tages einer sehr allgemeinen Verbreitung, zumal in England, Frank- 
reich, Sachsen und Böhmen erfreut, wird fabriksmäßig mittelst eigener 
Maschinen (Stühle) betrieben. Es werden entweder glatte Stücke 
geliefert (nach Analogie der Gewebe), aus welchen die Waren erst 
zugeschnitten werden müssen, oder solche von bestimmter Form 
(fagonierte), welche dann an den passenden Stellen zusammengefügt 
werden; endlich werden auch auf dem sogenannten Rundstuhl 
schlauchförmige, entweder bloß gleichmäßig cylindrische oder selbst 
fagonierte Stücke gewirkt, wie z. B. ein fertiger Strumpf. Es kann 
Feldegg, Grundriss der kunstgewerbl. Formenlehre. 4
        

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