Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749113
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Das Gespinst, dessen man sich in der Sammtweberei bedient, 
ist zunächst Seide, aber auch Wolle und selbst Baumwolle. Bei 
minderen Sorten wird nämlich die Seide im Grundgewebe durch 
Baumwolle (dieser Beimengung fast aller Gewebearten!) ersetzt und 
im Übrigen auch noch anstatt der Pclkette ein Polschuss in An- 
Wendung gebracht, d. h. die lockeren Fäden nicht aus Ketten-, sondern 
Schussfäden gebildet. 
Es gibt ferner Sammtarten, bei welchen die Noppen unauf- 
geschnitten stehen bleiben (sogenannter ungeschnittener Sammt), 
dem Stoffe ein pelzartiges Aussehen verleihend. Wieder eine andere 
Sammtart ist diejenige, bei welcher der Flor eine beträchtliche 
Länge besitzt und daher nicht senkrecht emporstrebt, sondern sich 
{lach und vließartig niederlegt (sogenannter Plüsch, Velpel). 
 Der eigentliche kurzgeschnittene Sammt ist vielleicht die ein- 
zige Gewebeart europäiischer Erfindung und stammt aus Frankreich, 
wo der Sammt im 13. Jahrhundert aufkam. Dagegen scheint der 
pelzähnliche Sammt schon den Römern und ebenso den alten 
Germanen (Zottelsalnmt) bekannt gewesen zu sein. 
Brocat. 
Die herrlichen Eigenschaften des Goldes, sein Glanz und seine 
Farbe, seine Dauerhaftigkeit und Unveränderlichkeit, nicht minder 
aber auch seine große Dehnbarkeit haben die Textrie frühzeitig 
darauf geführt, sich desselben als Gewebefaser zu bedienen. 
Stoffe mit einem Grundgewebe aus Goldfäden oder auch solche 
mit eingewebten Ornamenten aus Goldfäden heißen Goldbrocate. 
Die Goldfäden werden dabei durch Umspinnen eines Seidenfadens mit 
vergoldetem und geplättetcm Silberclrahte, dem sogenannten Gold- 
lahn, erzeugt und stets mit Seide als zweite Gewebefaser verwoben, 
da der Metallschimmer in etwas mit dem Glanz der Seide verwandt 
ist und mitdhm zur angenehmsten harmonischen Wirkung ver- 
schmilzt.  
Der BrocatstoH scheint eine Erfindung der Chinesen zu sein, 
welche isich übrigens noch heute bei Erzeugung ihrer Goldfäden 
einer uns unbekannten Methode bedienen. Das Mittelalter verwen- 
dete hätufig und mit Vorliebe den_ Brocatstoff, welcher in jener Zeit 
den Namen Baldachinus führte, offenbar von Baldach d. i. Bagdad, 
wonach die orientalische Abstammung dieser Gewebe schon damals 
angenommen worden zu sein scheint.
        

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