Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749096
Seidengewebe ihre regelrechte Anwendung findet. Ähnlich "verhält 
es sich, wie gesagt, mit den Flachs- und Wollgeweben und sind 
von ersteren insbesondere die mit Atlasbindting hergestellten, soge- 
nannten Leinendamaste, welche für Tischtücher u. dgl. Verwendung 
linden, von letzteren der sogenannte Satin, ein im Glanz dem Atlas 
ähnlicher, billiger Ersatz desselben, hervorzuheben. 
Wir haben hier abermals Gelegenheit, zu erkennen, von welch' 
großem Einflusse die Technik des W ebens (in der Bindungsregel) auf 
die künstlerische Wirkung des fertigen Productes ist, wie innig also 
im textilen Technik und ornamentale Gestaltung  wozu gewiss 
auch Erscheinungen wie der herrliche Atlasglanz gehören  mit. 
einander verknüpft sind. 
4. Die Gazebindung. Sie ist von allen bisher geschilderten. 
Bindungen Wesentlich dadurch verschieden, dass bei ihr je zwei 
Kettenfäden sich zwischen je zwei Schuss- 
fäden derart verschlingen, dass, wenn sätmmt- ' j [K t; 
liche Schussfäden aus dem Gewebe heraus- 2h I: 
gezogen würden, die beiden Ketten ohne Ver-  
sehlingung nebeneinander zu liegen kämen. f 
Daraus ergibt sich, dass von sämmtlichen Il 
Kettenfäden der eine Theil bloß über, der Teig , l: 
andere Theil bloß unter allen Schussfäden Gazebldung 
liegt. Die Verschlingung erfolgt im Übrigen   
entweder nach jedem Schussfaden oder erst nach einer Reihe solcher- 
Anwendung findet diese Bindung in jenen leichten, ngazeartigenu 
Geweben, die als Schleier u. dgl. häufig Bestandtheile unserer 
modernen Frauenkleidung bilden (Seidengaze), ferner im Stramin, 
einem Leinengewvebe mit Gazebindting, welches als Grund für Sticke- 
reien 1) benutzt und uns als solcher noch später einmal kurz be-- 
schäftigcn wird. 
ö. Die Phantasiebindungen. Im Grunde genommen bezeich- 
net man mit diesem Namen etwas von der Leinwand- und Köper-, 
ja selbst der Atlasbindting nicht wesentlich Verschiedenes, wie denn 
überhaupt sämmtliche Bindungen  1nit Ausnahme etwa der Gaze- 
bindung  im Principe durchaus Verwandte sind und uns deshalb 
auch die Beschreibung der Herstellung des Leinwandgewebes als 
das Vorbild aller übrigen Webearten zu gelten vermochte. 
 1) Im Stralnin soll gleichsam ein unverriickbares Gerüst für die darauf anzu- 
bringende Stickerei geliefert werden, wozu dem sonst lockeren Gewebe die an den 
Kreuzungsstellen der Kettenfiiwlen erfolgende feste Bindung der Schussfäilen verhilft".
        

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