Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749081
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Es ist aus umstehendcr Figur leicht ersichtlich, dass die Köper- 
ibildung der Oberfläche des Gewebes jene charakteristische, sehr 
vielen Stoffen eigenthümliche diagonale Textur verleiht, welche sich 
auch dann bemerkbar macht, wenn sämmtliche Fäden von gleicher 
Farbe und Qualität sind. Die bloße Richtungsverschiedenheit der 
Fäden gegen das auffallende Licht gentigt, eine gewisse Verschieden- 
heit in der Glanzwiiflzung herbeizuführen, derart, dass alle gegen 
das Auge in der Richtung des Lichtes laufenden Fäden lichter, glan- 
zender, alle darauf senkrechten dagegen dunkler und matter er- 
scheinen, aus dem Grunde, weil das Licht stets in der Faserrichtung, 
niemals aber senkrecht auf dieselbe reflectiert wirdf 
YVir werden sogleich Gelegenheit finden, diesen Umstand als 
ein ganz besonders wichtiges tßßlllllSClI-kÜIIStlBTlSClIGS Moment hervor- 
zuheben. 
Die Köperbindung wird bei allen Gewebearten, demnach sowohl 
bei Seide als auch bei Schafwolle, Baumwolle und Leinen in An- 
wendung gebracht.  
3. Die Atlasbindung. Jeder Schuss (a1) ist gegen den vorigen 
(a) um mehrere Kettenfäden (b) versetzt, Schuss- und Kettenfaden 
h überspringen mehrere Fäden der ent- 
EEIEEIIIII     gegengesetzten Gruppe. Es lasst sich 
l lllllIl llß _l bei dieser Bmdungsregel sofort erken- 
  nen dass das Zutavetreten ( Flottlie- 
II IIIIIII IIIII ' ö " 
IIIII IIIIIII II gen") von Sehuss- (oder unter Umstän- 
IIIIIII IIIIIII ,   _ 
 den Letten) I! aden uber große Strecken 
  ein wesentliches Merkmal ist. Als näch- 
  ste Folge liievon erscheint ein stärkeres 
 I Hervortreten des Gespinstes als solches, 
mit allen den Eigenschaften, welche 
Atlßsbindunß- ihm als Faden anhaften. Nun ist von 
allen Gespinstfasern keine von solch hervorragendem Lichteffect 
wie die Seide und der Unterschied zwischen dem Glanz eines Sei- 
denfadens, wenn der Lichtstrahl parallel zu seiner Richtung ins 
Auge reflectiert wird, und der llIattigkeit desselben, wenn die _Be- 
leuchtung senkrecht zur F adenrichtung wirkt, der denkbar größte. 
Ähnlich, wviewohl nicht so stark, tritt dieser Unterschied beim Flachs 
hervor; ebenso bei gewissen Wollarten. 
Eine Bindung nun, wie die eben beschriebene, ist vor Allein 
geeignet, diese Vorzüge des Seidenfadens hervortreten zu lassen, 
weshalb die Atlasbindung, wie schon ihre Bezeichnung verrätth, im
        

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