Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749052
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uns dabei erinnern, dass der beschriebene Vorgang, obgleich er nur 
die allereinfachste Bindungsart zum Gegenstand hatte, doch in allem 
Wesentlichen das Vorbild jeder noch so complieierten Bindung abgibt. 
Zunächst ist es jedoch für uns von YVichtigkeit zu wissen, dass 
in der Verschiedenheit der Bindung, also in der Art und Weise, nach 
welcher die Durohkreuzung der Fäden im Gewebe erfolgt, das Mittel 
gegeben ist, im Gewebe eine Musterung hervorzurufen. Das 
Princip, dessen man sich hiebei bedient, ist ein zweifaehes; entweder 
es erfolgt die Musterbildung durch Farb e n effect oder aber durch 
Bin dungseffect. Die erstere Art der "Musterung ist bei jeder Bin- 
dung möglich, da es dem Weber innerhalb gewisser Grenzen freisteht, 
Schuss- oder Kettenfaden an einer beliebigen Stelle an die Oberfläche 
des Gewebes treten ("flott liegen 4') zu lassen oder nicht. 
Gesetzt den Fall, es sollte ein  
Gewebe mit ungefähr dem beistehenden I.  I. 
Dessin erzeugt werden, wobei die  
Stellen a in einer bestimmten Farbe  Iämlm. V-MIM- I 
z. B. roth zu erscheinen hatten, so ist    
diese Aufgabe auf zweifache Weise  
lösbar; entweder dadurch, dass der WV e- -  IMIM. I  
ber an den Stellen a im Gewebe zwei WWEWWIIEWWU 
Schussfäden von rother Farbe oder  
aber dass er zwei Kettentäden von - I I I  
eben dieser Farbe zu Tage treten lässt, Schema am"  
wvahrend an allen übrigen Stellen, soweit dieselben nicht von rothcr 
Farbe sein sollen, die rothen Schuss- oder Kettenfäden von den 
entsprechenden anderen Fadenpartien überdeckt bleiben müssen. 
Die Musterbildung durch Bindungsetfect hinwiederum besteht 
darin, dass man die Bindung innerhalb des Contours der beabsich- 
tigten Figur gegen die Bindung des Grundes wechselt, wodurch nach 
Maßgabe des verschiedenen Lichtbre eh ungsvermögens verschie- 
dener Bindungen das Muster vom Grunde sich schattig oder hell 
abhebt. (Darüber das Nähere unter "Arten der Bindung.) 
Eurhythmie, das 
Grundgesetz der textilen Ornamentik. 
Durch den Contour des beabsichtigten Musters ist die Art der 
Bindung eines jeden Schusses bestimmt, welchen "einzutragen" die 
Kettenfäden der Bindung gemäß ausgehoben werden müssen. Um 
diese Kettenfäden nun nicht jedesmal auszählen zu müssen, bedient
        

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