Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749019
Flachs bereiteten Panzerhemden der hellennischen Krieger, und zahl- 
reiche griechische Vasengemälde, wie nicht minder altassyrische und 
ägyptische iVanddeeorationen stellen uns solche Krieger in Ab- 
bildung dar. Auch wissen wir von einem, „Sidons" genannten, 
äußerst feinem Gewebe aus "Linnen, welches von den vornehmen 
Alten als Hemd getragen wurde, so wie auch, dass in der alten 
'l'racht der jonischen Griechen der Chiton (das Unterkleid) aus Lin- 
nen erzeugt war. 
Ebenso allgemein als die Linnenweberei ist im Altherthum 
die Baumwollweberei; Mossul in Mesopotamien ist berühmt durch 
seine feinen kreppartigen Baumwollgeivebe, welche nach dem Ort 
ihres Ursprungs den Xamen Musselins noch heute führen. Gleich- 
zeitig steht die Baumwollencultur in Indien, China, Wiest-Asien und 
Afrika auf sehr hoher Stufe. 
Den zweifellos höchsten Rang nimmt jedoch im Alterthum die 
Schafwollweberei ein. In der Erzeugung prächtiger schaf- 
wollener Stoffe wetteiferten die drei dem Alterthum bekannten Welt- 
theile. Die Bewohner Arabiens und Aegyptens, die Babylonier, 
Assyrier und Indier, die jonischen Griechen und zuletzt auch die 
Römer waren insgesammt Meister in der Bereitung schafwollener 
Gewebe. Aber auch die Völker minder hoher Cultur, wie die Gallier, 
Parther, Kelten und Iberier pflegten eifrig Schafzucht und Woll- 
warenerzetigung. Selbst Deutschland und Skandinavien brachten 
einzelne in ihrer Art wertvolle und gesuchte Erzeugnisse in den 
Handel, so z. B. einen pelzähnlichen Stoff, Zottelsamlnt genannt, 
sowie den ihm vcrivandten und selbst im Oriente geschätzten Fries. 
Auch die Seidenfabrication endlich reicht wie alle übrigen 
Textilproductionen ins frühe Altherthum zurück, ja sogar ins aller- 
früheste; denn bei den Chinesen ist die Cultur des Maulbeerbaumes 
bis in das 26. Jahrhundert v. Ch. urkundlich nachweisbar. Von den 
Chinesen übernahmen die Inder die Seidenmanufactur;  erst 
später, wahrscheinlich sehr spät  nämlich zur römischen Kaiser- 
zeit  fand sie bei den Babyloniern und Assyriern Eingang. Bei den 
Griechen erwähnt zuerst Aristoteles die Seidenraupe und bezieht 
sich hiebei auf die Seidenindustrie der Insel Kos. Aber nur sehr 
allmähling und langsam machte die Erzeugung und Verwendung 
des neuen Textilproductes im Altherthume Fortschritte, und erst zur 
byzantinischen Zeit kann von einem wirklichen Einfluss der Seide 
auf den Stil der textilen Kunst in Europa die Rede sein.  Bald 
darauf ergibt sich auch der Orient dem gleichen Einflusse.
        

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