Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-749009
Das 
Gewebe. 
Unter allen Erzeugnissen der Tlextilkunst nimmt ziveitellos 
das Gewebe den höchsten Rang ein; denn nicht nur die Mannig- 
faltigkeit dieses Productes, sondern auch der hohe Kunstwert, 
welcher einzelnen Geweben zukommt, wird kaum von einem zweiten 
Textilproducte übertroffen.  (Höchstens vielleicht vom Spitzen- 
werk, dessen in einzelnen Fällen enorm hoher materieller Wert 
im Übrigen mit dem reinen Kunstwert nicht immer im Ein- 
klange steht.) 
Dazu kommt noch, dass die Kunst des iVebens uralten Ur- 
sprungs und deshalb eine derjenigen Bethatigungen des menschlichen 
Geistes ist, durch welche die verschiedensten Zeiten und Völker 
Beweise ihrer Bildung und ihres allgemeinen Culturzustandes ge- 
geben haben. 
Freilich, ermisst man die relativ geringe Dauerhaftigkeit der 
Gewebe im Vergleich zu den gewaltigen Zeiträumen, mit welchen 
wir in der Geschichte zu rechnen haben, so begreift man die über- 
aus spätrliche Menge, in welcher derartige Producte aus der antiken 
Zeit auf unsere Tage gekommen sind. So spärlich aber diese Ver- 
mächtnisse längst untcrgegangener Culturen auch sind, so gestatten sie 
uns doch einen Einblick in die textilen Kunstiveisen jener Epochen, 
und müssen wir es deshalb bei der Wichtigkeit gerade der antiken 
Kunst für die Kunst der nachfolgenden Jahrhunderte als ein Glück 
preisen, dass uns einige wenige antike Stoffüberreste als vortreffliche 
Beispiele erhalten geblieben sind?) Im Übrigen geben uns die über- 
einstimmenden Berichte alter Schriftsteller theilweise Aufschlüsse über 
die antike Praxis, der Tcxtrie, welche, durch den Reichthum, die 
Mannigfaltigkeit und Schönheit der producierten Gewebe ausgezei- 
chnet, in keiner Weise, weder bezüglich des verwendeten Materials 
noch der technischen und künstlerischen Ausführung hinter der 
heutigen Entwicklung dieses Gewerbes zurückstandß) 
Flachs (Leinen) Baumwolle, Schafwolle und  mit einer ge- 
wissen Einschränkung  auch Seide waren der antiken Weberei 
ebenso bekannt wie uns. Schon Homer erwähnt der linncnen, aus 
1) Von höchstem Interesse ist in dieser Beziehung eine erst in neuester Zeit 
bekannt gewordene Collection altäigqyptischer Gewebe, welche sich im Besitz des 
k. k. österr. Museums filr Kunst und Industrie beündet. 
2) Der eigentliche Unterschied zwischen antiker und moderner WVeberei liegt 
in Bezug auf die Technik nur in der Verschiedenheit der Hilfsmittel und der 
Methode der Ausführung. [Siehe darüber weiter uhten, unter „Bindnng"'etc.]
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.