Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748900
allgemeinen die stereotome Kunst (siehe oben) ohne Rücksicht jedoch 
auf ein bestimmtes llrlateriale, also ebensowohl die Stein- als die 
Metallbildnerei, nicht minder auch die Holz- und Steinschneidekunst, 
die gesammte Keramik und Theile der lllaurerei gehören  und 
2. eine structive (polytoine) Kunstweise, welche die gestimmte 
Tektonik, sodann die Textrie und die "Maurerei 1) als Gesammtkunst 
umfasst. 
Für die klare Übersicht und correcte Systematik des weiten 
Gebietes der technischen Künste dürfte viel gewonnen sein, wenn 
man grundsätzlich zunächst von dieser Haupteintheilung ausgeht; 
für unsern Zweck soll sie bloß auf diejenigen technischen Künste 
angewendet werden, welche uns in diesem Buche beschäftigen. 
Die 
strußtive 
un d 
die 
plastische 
Methode. 
Der Fortschritt der Menschheit im Verlauf der Culturentwick- 
lung kann nicht anders aufgefasst werden, als eine stetige Emanci- 
pation von der Natur, deren zwar wohlwollende, aber übermächtige 
Bevormundung zum Theile abzustreifen undxlurch selbstgeschaffenc 
Cultureinrichtungen zu ersetzen, der eigentliche Grundgedanke der 
gesammten Civilisation ist. 
Es hängt mit dieser Art der Entwicklung der menschlichen 
Cultur zusammen, dass die ältesten technischen Erzeugnisse auch 
mit den geringsten technischen Hilfsmitteln zu Stande gebracht wor- 
den und gleichsam noch zum guten Theil Werke der Natur selber 
sind, wogegen diejenigen Producte, bei deren Gestaltung das Wate- 
riale einer gesteigerten technischen Procedur unterworfen ist, erst 
später in der Geschichte des Gewerbes und der technischen Eriin- 
dungen auftauchen. 
Jene erstere Voraussetzung trifft nun offenbar zunächst in der 
structiven Kunstweise zu, deren Methode, indem sie jedweden: 
Eingriff in den materiellen Zusammenhang des Stoffes aus dem 
YVeg zu gehen vermag, auch keine für diesen Eingriff erforder- 
lichen XVerkzeuge und überhaupt technischen Hilfsmittel verlangt. 
Beispiel: Jede Art primitiven Flecht- und Knüpfwerkes, dessen 
ganzes Kunstprincip bloß in der regelmäßigen Zusammenfügung und 
1) Die Maurerei als Gesammtkunst ist structivisch, d. h. zusammeufügend; in 
ihren Theilen jedoch plastisch, welcher Art einzelne Ziegelsteine, die Dachziegel, 
Architekturmotive, Fliesen etc. sind. 
        

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