Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748899
Classification 
d e 1' 
technischen 
Künste. 
Die Idee eines technischen Kunstproductes, worunter wir den 
Inbegriff seiner wesentlichsten stofflichen und formellen Merkmale 
verstehen" wollen, setzt sich nothwendig in unserer Phantasie aus 
folgenden zwei Theilvorstellungen zusammen: 1.'Aus dem Bilde des 
Stoffes, des Materials, aus welchem das Product gebildet ist, in seinen 
hauptsächlichsten Eigenschaften und 2. aus dem Bilde der formellen, 
sozusagen geometrischen Gestaltung, welche der Stoff im fertigen 
Product anzunehmen bestimmt ist. 1) 
Diese Verbindung von Stoff und ZWGCkllClIGI' Form, welche 
solcherart schon in der Idee eines technischen Gebildes zu einem 
einheitlichen, unzertrennliehen Ganzen verschmolzen sind, bewirkt, 
dass in der technischen Kunst jedem Stoffe eine ihm allein ange- 
messene Gestaltungsiveise zukommt. Hienach haben wir zwei von 
einander principiell getrennte Gruppen zu unterscheiden, welche ich, 
da es meinem Wissen nach noch nicht geschehen ist, mit zwei Namen 
bezeichnen möchte,  das Wesentliche der Sache, soweit es möglich 
ist, zu charakterisieren: 
Eine erste Gruppe, welche diejenigen technischen Gebilde in sich 
begreift, die, aus der v0 llen Sto ffmasse erzeugt, nicht das Resultat 
einer Zusammenfügung von Theilen sind und daher des wesentlichen 
Charakteristikons des Gefüges (Struetur), nämlich der im Ornament 
gekennzeichneten (ornamental-gerechten) Fugstellen, en tb ehren; 
dann eine zweite Gruppe von Gebilden, welche eben dieses Merkmal 
ornamentaler Structur an sich tragen. 
XVir können füglich, in Ermanglung eines andern Wortes, jene 
Gebilde als plastische (auch wohl atome, d. h. ungetheilte, im künst- 
lerischen Sinne nämlich), diese hingegen als structive (polytome, d. h. 
mehrtheilige, zusammengefügte) bezeichnen. In diesem Sinne haben 
wir dann 1. eine plastische (atomistische) Kunstweise, wozu im 
 1) Weil das ganze nachfolgende Buch hiefür den Beleg abgeben soll, so mag 
es unterdessen genügen, der Verständlichkeit halber an einem einzigen Beispiel das 
Gesagte zu erläutern. Wir wählen hiezu die älteste unter den Künsten, die Textrie, 
da sie naturgemäß als solche das Gesetz am einfachsten ausdrückt. 
Für die 'l'e::trie ergibt sich nun im obigen Sinne: 
Bild des Stoffes: Fadenförmiges, weiches, biegsames, zähes Gebilde.  
Bild der zwecklichen Form: Flächenartiges Gebilde von geringer Dicke etc. 
Idee des Prodncts: Flächenmäßige Aneinanderreihung von Fäden bei be- 
stimmter rhythmischer Anordnung etc.
        

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