Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748882
spricht." Die erste Stelle in der Reihenfolge der Künste nimmt 
diesem gemäß nach Semper unstreitig die textile Kunst ein; von ihr, 
als der ältesten, entlehnen alle übrigen Künste gewisse Formen, 
welche sie dann, ihreln Materials und ihrer Technik entsprechend, 
verwerten. Der Textrie zunächst, ja in mancher Beziehung mit ihr 
in der Anciennitätt wetteifernd, kommt die Keramik; dann folgt 
die Tektonik, welche in ihren Formen gar sehr von ihren zwei 
Vorgängcrinnen beeinflusst erscheint. Vollends endlich die Bau- 
kunst, indem sie aus der Tektonik ihre Kunsttypen geschöpft hat, 
ist mittelbar abhängig auch von jenen beiden Mutterkünsten, der 
Textrie und Keramik, ja nicht selten direct abhängig von ihnen, 
in welch letzterer Beziehung z. B. die uralte Kunst der ntextilen 
lrVandbereitung," das eigentliche Grundmotiv des architektonischen 
Raumabschlusses, die Wand, stilistisch begründet hat; ebenso 
haben gewisse Typen der Keramik, wie z. B. der Gefaßfuß, in 
der Formensprache der Architektur (als Siiulenbasis und Schaft) 1) 
ihre fast unveränderte Anwendung gefunden. 
Auf die äußerst subtile Betrachtung dieses Sachverhaltes hin- 
sichtlich seines Einflusses auf die Baukunst (worin im Grunde ge- 
nommen die Hauptaufgabe von Sempers Werk „der Stil" besteht) 
unserseits näher einzugehen, ist hier nicht der Ort. Es, genüge als" 
das für uns wichtigste Resultat der Sempefschen Untersuchungen 
festzustellen, dass eine völlige Übereinstimmung obwaltet zwischen 
der stilistisch-formellen und der technisch-materiellen Seite des Kunst- 
gewerbes. Diese Übereinstimmung, diesen Zusammenhangufür die 
wichtigsten der technischen Künste im einzelnen darzulegen, soll dem 
folgenden Theil dieses Buches vorbehalten bleiben, dessen haupt- 
sächlichste Tendenz darin bestehen wird, die kunstgewerbliche 
Form in ihre letzten, sozusagen untheilbaren Elemente 
zu zerlegen, um sodann diese als nothwendige Bildungsfactoren 
des Kunstproduetes nachzuweisen.  
Im übrigen aber war es unsere Pflicht, bevor wir an die Darstel- 
lung dieser Aufgabe schritten, mit allem Nachdrucke auf diejenige 
Quelle zu verweisen, aus welcher die größte Fülle von Anregungen 
und sehr häufig auch directer Belehrung unsererseits geschöpft wor- 
den ist: Denn nur die gewissenhafteste Abgrenzung der eigenen ge- 
ringen Zuthat von der großen, bahnbrechenden Leistung des berühm- 
ten Vorbildes kann einige Bürgschaft dafür geben, dass auch jener 
Zuthat, soweit sie es verdient, die Anerkennung nicht versagt bleibe. 
Siehe darüber „keramische Formen" 
II. Abschnitt: 
Die "ornamentale Form."
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.