Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748870
in der künstlerisch-technischen Bearbeitung des Stoffes im Dienste 
der Zweckmäßigkeit auch nachgewiesen hat. 
An Stelle der am fertigen Kunstwerke angestellten Unter- 
suchungen (wie in der Ästhetik bis auf Semper zumeist geschah)  
tritt bei Semper eine den innern Bildungsfactoren  das sind 
Stoff und Zweck  Rechnung tragende, ja ihnen direet entlehnte 
Betrachtungsweise über „Stil" und-"Schönheit." ' 
Zugleich ist mit dieser Einführung des „Stoi'l"lichen" und "Zweck- 
mitßigen" als ästhetischen und also künstlerisch befiuchtenden Bil- 
dungsfactoren in der bildenden Kunst ein ganz neuer und gleich- 
sam natürlicher Maßstab gewonnen und hiemit in der 'Stil- und 
Formenlehre etwa dieselbe Wandlung eingetreten, welche  auf 
einem andern Gebiete  die Naturgeschichte durchgemachhhatte, 
indem sie vom sogenannten nkilnstlichen" zum "natürlichen" System 
tibergegangen war. 
Entsprechend dieser Analogie können wir auch wahrnehmen, 
dass bei Semper die „Arten" der Kunstformen auf Grundlage des 
in historischer Aufeinanderfolge eintretenden Materialwechsels und 
also jedesmal anknüpfend an die technische Bearbeitung des Stoffes 
aus einander hervorgehen. Jede nachfolgende Form entlehnt hiebei 
einiges von der ihr vorhergegangenen durch eine Art von Ver- 
erbung; gleichzeitig aber auch entfaltet sie sich in ihrer Weise 
originell und von der frühern verschieden nach Maßgabe der Ver- 
schiedenheit des ihr zu Grundc liegenden neuen Stoffes, durch An- 
passung an denselben. 
Das Bcdcutsame dieser Erscheinung für die Geschichte der 
Stilentwicklung ist nun leicht ersichtlich, denn, wie Semper sagt: 
„Jeder Stoff bedingt seine besondere Art der bildnerischen Dar- 
stellung durch die Eigenschaften, die ihn von andern Stoffen unter- 
scheiden und eine ihm angehörige Technik der Behandlung er- 
heischen. Ist nun ein Kunstmotiv durch irgend eine stoffliche Be- 
handlung hindurchgeführt worden, so wird seine ursprüngliche Form 
durch sie bestimmt wordensein, gleichsam eine bestimmte Färbung 
erhalten haben; die Form steht nicht mehr auf ihrer ersten Ent- 
wiklungsstufe, sondern eine mehr oder minder ausgesprochene Ver- 
änderung ist mit ihr vorgegangen. Geht nun das Motiv aus dieser 
zweiten oder nach Umständen auch mehrfach graduierten Umbildung 
einen Stotftvechsel ein, dann wird das sich daraus Gestaltende ein 
gemischtes Resultat sein, das die Urform und alle Stufen seiner 
Umbildung, die der letzten Gestaltung vorangiengen, in dieser aus-
        

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