Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748756
einander gestellte Figuren etwas Erzwungenes, Starres, gleichsam 
Puppenhaftes an sich und rufen einen unangenehmen, jenem Ein- 
druck ganz ähnlichen hervor, welcher sich uns bei der eurhythmischen 
Wiederkehr von Figuralem aufdrängt. Der Grund hiefür ist denn 
auch ein ganz verwandter, weil die Symmetrie in dieser Hinsicht 
eine Art der Wiederkehr, wenngleich freilich eine XViedeI-kehr im 
Spiegelbild ist. 
Kunstsymbolische Bedeutung der Symmetrie. Sie besteht, 
kurz ausgedrückt, im Zusammenfassen der äußersten Grenzen eines 
Gebildes, wodurch demselben jene Abgeschlossenheit und Einheit- 
lichkeit zutheil wird, die es vor allem befähigt, als Einzelwesen, 
Individuum zu erscheinen. 
Diese individualisicrende Bedeutung der Symmetrie ist zugleich 
die Ursache ihrer fast durchgängigen Giltigkeit in der ornamen- 
talen Kunst. Denn die letztere ist stets bestrebt, ihren Erzeugnissen 
jenen Ausdruck höherer Einheitlichkeit zu geben, ohne wel- 
chen keine vollständig befriedigende YVirkung in der Kunst gedacht 
zu werden vermag, 
Aber freilich folgt auch hierin die Kunst zuletzt nur den großen 
kosmischen Gesetzen, deren Werke, soweit sie unserer Forschung 
zugänglich sind, nach dem Maßstabe symmetrischen Gleichgewichts 
geformt erscheinen. 
Proportion. 
Proportion ist die Beziehung ungleicher Theile zu einander. 1) 
Schon diese wenigen Worte, welche besagen, dass man es hier mit 
ungleichen Theilen zu thun hat, während in der Eurhythmie von 
gleichen, in der Symmetrie von ähnlichen die Rede war, schon diese 
wenigen Worte weisen deutlich hin auf die complieierte und, wenn 
ich so sagen darf, höhere Natur des Proportionalitätsgesetzes. Wir 
haben in diesem Sinne bereits erwähnt, dass unter den drei ornamen- 
talen Grundgesetzen das Gesetz der Proportion dasjenige ist, dessen 
Erkenntnis nicht bloß die Fähigkeit normalen Sehvermögens, sondern 
auch künstlerisches Verständnis voraussetzt.  Damit hängt auch 
zusammen, dass die Proportion nicht wie die Symmetrie und Eurhythmie 
1) Proportionalität. verhält sich in dieser Hinsicht zur Euthythmie und Symmetrie 
wie Her allgemeine Fall zum besonderen, weil Gleichheit und Ähnlichkeit nur zwei 
einzelne Fälle sind gegenüber den zahlreichen möglichen Fällen von Ungleichheiten.
        

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