Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750644
nachklingen in unseren Rusticirungen und Quaderungen, deren 
ursprüngliche und gewaltige Ausbildung wir aber in jenen assyri- 
sehen Terrassenanlagen zu erblicken haben, welche die Ausgrabungen 
der verflossenen Jahrzehnte an den Tag förderten  als die viel- 
leicht bewunderungswürdigsten Denkmale antiker Größe. 
Inzwischen sind wir hier an einem Punkte unseres bisher ein- 
gehaltenen WVeges angelangt, von welchem aus sich unserem Blicke 
die Aussicht auf ein Gebiet eröffnet, das zu betreten nicht mehr in 
den Intentionen unseres Buches liegt, das Gebiet nämlich der archi- 
tektonischen Formenlehre.  Denn der Stein ist das Mate- 
riale der eigentlich monumentalen Kunst: keine Form in Stein, die 
nicht unter der Botmäßigkeit der architektonischen Kunst stünde  
selbst nicht ausgenommen die stolze Kunst des Bildhauers. Aber 
freilich auch umgekehrt; auch die Kunst ist bedungen durch das 
Materiale und für eine richtige Stilwirkung die materielle Wesen- 
heit des Werkes die unerlässliche Voraussetzung. 
Dies ist der Grund, weshalb in der Architektur der Stein eine 
so hervorragende Rolle spielt, dass ohne ihn keine monumentale 
Wirkung möglich ist. Er ist eben das Materiale der Monumental- 
kunst. Ihm zunächst kommt der Ziegel, dem Steinbau zunächst 
der Ziegelrohbau. Verputz dagegen ist stets stillos und daher von 
solch' abgesehmackter Wirkung, dass selbst die schönste Architektur, 
in Verputz ausgeführt, gehaltlos erscheint. 
Dass die Bauwerke der Renaissance einen so eminent künst- 
lerischen Eindruck machen, liegt deshalb zum größten Theile darin, 
dass sie in edlem Materiale, in Stein, ausgeführt sind. Dazu kommt 
noch die diesem nmonumentalen" lNIateriale eigenthümliche Patina, 
welche, da sie das Alter des Bauwerks anzeigt, auch sein Adels-- 
brief ist: Denn die hohe Bedeutung der Architektur als einer monu- 
mentalen Kunst, liegt darin, dass sie nicht flüchtig ist, wie die Zeit, 
sondern beharrlich und dauernd wie der Raum, in welchem allein 
sie als Kunst zur Erscheinung gelangt.
        

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