Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750526
im engern Wortsinne. Eine dritte, von den beiden genannten For- 
men wesentlich verschiedene Form ist die sogenannte Dille, der 
Gusscanal. Die griechische Keramik kennt den Gusseanal nicht, 
wogegen ihn alle übrigen Stilarten, mit besonderer Vorliebe die Indi- 
sehe, verwenden. 
Die Wichtigkeit der Mündung des Gefäßes für die keramische 
Formensprache liegt darin, dass bei ihrer Herstellung von der Töpfer- 
scheibe abstrahiert wird und die freie Modellierung an ihre 
Stelle tritt 1): ein weites Feld für den keramischen Künstler, wel- 
ches er in seinem ganzen Umfange auszunützen zu keiner Zeit ver- 
säumt hat. 
Der Henkel. Hier hat man vor allem Stand und Anzahl ins 
Auge zu fassen. Jener ist für den Zweck, diese für den allgemeinen 
ornamentalen Charakter des Gefäßes von Wlichtigkeit. Gefäße mit 
bloß einem Henkel erhalten durch diesen eine bestimmte Richtungs- 
beziehung von vorn nach rückwärts; solche mit zwei Henkeln  wel- 
-che sodann seitlich gestellt sind  Symmetrie. 
Mehrere, z. B. drei Henkel, verleihen dem Gefäße sowohl Rich- 
tung als Symmetrie, ein Fall, welchen die griechische Hydria auf- 
weist. 
Die Stellung der Henkel anbelangend, ist klar, dass von ihr 
direct die Handhabung des Gefäßes abhängt. Gefäße mit vertical 
gestellten, sogenannten Ohrhcnkeln, sind anders anzufassen, als solche 
mit horizontalen Henkeln, während die dreihenklige Hydria eine 
doppelte Handhabung zulässt u. s. w. 
Die Form des Henkels muss unter allen Umständen dessen 
Bestimmung, gefasst zu werden, entsprechen. Sie muss deshalb zu- 
nächst in einem gewissen Verhältnis stehen zur Größe des Gefäßes 
 und dieses Verhältnis ist natürlich ein variables; sie muss aber 
ferner auch im Verhältnis stehen zur menschlichen Hand  und 
dieses Verhältnis ist, innerhalb gewisser Grenzen, ein constantes. 
Der Henkel soll stets den Eindruck hervorrufen, dass er der ihm 
anvertrauten Last des Gefäßes gewachsen ist, ohne indessen durch 
übermäßige Größe diesen Eindruck zu übertreiben. Der Henkel 
soll aber auch bequem fasslich sein und weder der ihn umfassen- 
den Hand durch allzu geringe Dicke entschlüpfen, noch auch sie 
zu übermäßiger und den Halt verringernder Ausspannung veran- 
lassen. 
L 
Siehe 
darüber 
ersten 
den 
Capitels. 
Theil dieses
        

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