Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748725
Principe werden, wo eine gewisse Zusammengehörigkeit, Einheitlich- 
keit, Gleichwertigkeit einzelner Theile eines Ganzen verdeutlicht 
werden soll," wovon die charakteristisehesten Beispiele wohl in der 
Architektur anzutreffen sind,  wie etwa in der einheitlichen 
Durchbildung der Fenster einer Fagade, der Säulen- und Bogen- 
stellung etc. In allen diesen Fällen gelangt ein ähnlicher typischer 
Zweck durch die eurhythmische Anordnung zur Erscheinung, deren 
kunstsymbolische Bedeutung hiermit für die gesammte Formenwelt 
der ornamentalen Kunst bestimmt ist. 
Indem wir uns mit dieser allgemeinen Andeutung begnügen, 
verweisen wir zugleich auf das Capitel über textile Formen im 
II. Theil dieses Buches, in welchem an der Hand concreter Beispiele 
und vom technischen Standpunkte aus dieser Gegenstand nochmals 
erörtert werden wird. 
Symmetrie. 
,Es folgt aus dem eingangs Erwtthnten, dass man unter Symmetrie 
etwas von Eurhythmie und Proportion grundverschiedenes versteht. 
Während wir es nämlich in diesen beiden Gesetzen mit den Ge- 
bilden in Ansehung ihrer Gleieh- oder Ungleichheit zu thun haben, 
handelt es sich bei der Symmetrie um die (in Bezug auf eine 
mittlere Axe entgegengesetzte) Lage von Gebilden. Diesem Unter- 
schiede scheint es nun auch zu entsprechen, dass, während sowohl 
Eurhythmie wie auch Proportion ihre entschiedenen Analoga haben 
in den zeitlichen Künsten,  solche für die Symmetrie, soweit wir 
auch ausblicken mögen, nicht zu entdecken sind.  Zunächst den 
Rhythmus betreffend, ist es bekannt, dass derselbe ebensowohl sein 
Analogon in der Musik, als auch in der Dichtkunst hat, indem 
nicht bloß jedes Tonstück sich rhythmisch aufbaut, d. h. einen be- 
stimmten Takt zur Grundlage hat, welcher das Maß ist für die 
Wiederkehr eines in zeitlicher Hinsicht Gleiehartigen, nämlich der 
gleichwertigen Notentheile, sondern auch jedes Versmaß rhythmisch 
gegliedert, und das Sylbenzählen selbst ein rhythmischer Vorgang ist. 
 Des Weiteren die Proportion in Betracht ziehend, welche allerdings 
noch nicht erläutert, aber bereits Eingangs definiert wurde, ist zu 
bemerken, dass dieselbe gleichfalls ihr Analogon in den zeitlichen 
Künsten findet; denn das, was man unter Verhältnis versteht, lässt 
sich ebensowohl denken zwischen Qualitäten, die für das Ohr, wie
        

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