Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750434
Sehr in Übereinstimmung mit dieser Auffassung steht es, dass ein 
grundsätzlich nicht für Flüssigkeiten bestimmtes Gefäß, der Korb, 
nicht selten von der sphitroidischen Gestalt abweichend und kantig 
gebildet ist. Die Ableitung des Korbes aus dem Textilen würde nun 
an sich keineswegs seiner "keramischen" Grundgestaltung als Sphä- 
roid hinderlich sein, wenn es nur überhaupt im Sinne der neuen 
(keramischen) Kunst läge, diese Form auch auf den Korb anzu- 
wenden; aber eben dies ist nicht der Fall, vielmehr bildet die 
Korbware hinsichtlich ihres Grundtypus eine Ausnahme, welche die 
Regel im Sinne der obigen Ansicht über die sphäroidisehe Gestalt 
der Gefäße zu bestätigen geeignet ist. 
Gefäßtheile. 
Wir haben schon in einem der vorhergegangenen Capitel („die 
Tektonik, ein structives Werk mit plastischem Detail") darzulegen 
versucht, dass die Formhestandtheile der technischen Künste, indem 
diese vom structiven System zum plastischen allmählich übergehen, 
immer mehr an individueller Bedeutung gewinnen. Im stärksten Maße 
gilt dies naturgemäß iür die am äußersten Ende dieser Reihe 
stehende, gänzlich "plastische" Keramik. Ihre Typen sind vollstän- 
dig individuell.  Der Hals, der Henkel, der Fuß, der Deckel eines 
Gefäßes sind an diesem nur vereinzelt (höchstens paarweise) vor- 
handen und daher Einzelformen, Individuen. 
Weil nun die Functionen für alle diese Theile andere sind, so folgt 
nothwendig,  nach dem Gesetze des Zusammenwirkens von ver- 
schiedenen Thcilen im Ganzen  dass auch das Verhältnis dieser 
Theile zu einander ein ganz verändertes sein wird im Vergleich zu 
dem Verhältnisse gleicher Theile, wie solche z. B. das gänzlich 
structive Textilproduct in sich vereinigt.  Während im Textilen 
der Totalelfect durch vollständige Nebenordnung aller Theile 
herbeigeführt wird, ist für die individualisierten Bestandtheile des 
keramischen Products Unterordnung unter einen Haupttheil der 
leitende Grundsatz harmonischer Gesammtwirkung. 1) 
1) Dieser wichtige formelle Unterschied zwischen dem struotiven Princip der 
Textrie und dem plastischen der Keramik hängt zusammen mit den zwei, je einer 
dieser beiden Künste zunächst zu Grunde liegenden, ornamentalen Grundgesetzen 
der Eurhythmie und Proportion. Jene, das leitende ornamentale Grundgesetz der 
Textrie, kennt an sich keine Unterordnung, sondern nur Nebenordnung, da sie die 
Wiederkehr von lauter gleicharligcm bedeutet; die Proportion dagegen, als Be- 
ziehung von ungleichem, fordert naturgemäß Unterordnung der Theile unter das 
Ganze uni beherrscht solcherart die Formen der Keramik. 
12a
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.