Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750380
aus und werden mittels eiserner Löffel abgeschöpft. Indem die Glas- 
masse sodann noch einige Zeit in dünnflüssigem Zustande erhalten wird, 
tritt eine Läuterung derselben ein; theilweise selbständig, da die in der 
Masse enthaltenen Gase aufsteigen und die festen, ungelösten" Bestand- 
theile zu Boden sinken, theilweise auch durch Umrühren mit der 
Schöpfkelle. In diesem Zustande kann das Glas gego ssen werden.  
Nach beendeter Läuterung erfolgt das Kaltschtiren; der Ofen wird 
bis auf 700-800oC. abgekühlt, wobei das Glas in jenen dückflüssigen, 
zähen Zustand übergeht, in welchem es zum Blasen und Pressen 
verwendet werden kann. Bei dieser Temperatur muss der Ofen 
solange erhalten werden, als das Formen der Glaswaren andauert. 
2. Das Glasblasen. Das Instrument, welches man zum 
Glasblasen benützt, ist die Pfeife oder das Blasrohr. Es besteht aus 
einem etwa 115m langen, schmiedeisernen Cylinder von 3--4 cm 
Dicke bei einer Höhlungsweite von 1 cm. An dem einen Ende des- 
selben ist ein möglichst glatt gefeiltes Mundstück, am andern Ende eine 
kugelförmige Verdickung zum Anheften der Glasmasse, der Pfeifen- 
kopf, angebracht. Nachdem dieser erwärmt ist, wird er in die zähe Glas- 
masse eingetaucht, von Welcher beim Herausziehen etwas haften bleibt. 
Durch Drehen der horizontal gehaltenen Röhre wird das Abfließen der 
Glasmasse verhindert und gleichzeitig durch Blasen in's Rohr eine 
kleine Höhlung inmitten der Masse erzeugt und die Rohrmündung 
luftfrei erhalten. Nachdem noch einigemal frische Glasniasse von 
der Pfeife aufgenommen worden ist, so dass die gesammte Menge 
derselben voraussichtlich für die Größe des Gefäßes hinreicht, bringt 
der Bläser die am Rohre haftende Masse auf die halbkugelförmige 
Vertiefung einer aus Holz oder Metall gemachten Form (der sogenann- 
ten Mai-bei), sie auf derselben hin- und herwälzend, wobei er darauf 
sieht, dass das Glas um seine Höhlung herum überall die gleiche 
Dicke annimmt. Durch neuerliches Erwärmen der erhaltenden Glas- 
masse und abermaliges Hineinblasen bei gleichzeitigem pendelndem 
Schwingen der anhaftenden zähen Masse, sucht nun der Bläser 
allmählich die Form des Gefäßes herauszubringen, wobei er sich 
gewisser hohler Modellhölzer (z. B. hohler Cylinder) als beiläutiger 
Unterstützung bedient. Immer jedoch wird die Kunstfertigkeit des 
Arbeiters an dieser Stelle von maßgebendem Einilusse sein. 
Inwiefern bei dieser ganzen Proeedur mittels der Pfeife die 
eigentliche Natur des Glases zum Ausdrucke gelangt, wurde be- 
weits bei Erwähnung der venetianischen Glasindustrie ausgespro-
        

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