Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750368
Unter der Glasur können die Farben nur dann aufgetragen 
werden, wenn sie so feuerbeständig sind, dass sie die zum Gar- 
brennen der Masse erforderliche Hitze vertragen, in welchem Falle sie 
gleichzeitig mit der Glasur geschmolzen werden; dies trifft nur 
theilweise zu bei der Porzellanmalerei, dagegen größtentheils bei der 
Fayence, deren Glasur bei einer weitaus geringern Temperatur ge- 
schmolzen wird als die Porzellanglasur. iVird die Farbe auf die 
Glasur aufgetragen, so erfolgt ein nochmaliges Brennen der iVare 
bei gelinderer Temperatur, welches bloß den Zweck hat, die Farben 
aufzuschmelzen.  Außer durch Bemalen kann die farbige Deco- 
ration auch durch bloßes Angießen, durch Bedrucken oder endlich 
durch sogenanntes Lustrieren erfolgen, lauter Methoden, welche in 
der Fayencewarenfabrication im Gebrauch sind. 
Das Bedrucken erfolgt unter der Glasur u. zw. auf die Weise, 
dass die auf eine Metallplatte gravierte oder geätzte Zeichnung mittels 
der mit Leinöl abgeriebenen Farbe auf ein weiches und feines Papier 
abgedruckt wird, welches (natürlich mit der bedruckten Seite) auf die 
iVare gebracht und leise und vorsichtig angepresst wird. Das Geschirr 
wird sodann ins iVasser gesteckt und das erweichte Papier abgezogen. 
Das Lustriercn wird dadurch hervorgebracht, dass man der 
iVare einen zarten metallischen Anflug gibt, welcher seinen Glanz 
allein durch Brennen erreicht und nicht, wie dies bei dicker aufge- 
tragenen Metallschichten geschieht, durch nachträgliches Polieren. Die 
Metalle, deren man sich dabei bedient, sind Gold, Silber, Platin, 
Kupfer und Blei. 
4. Das Brennen. Es ist der letzte keramische Proeess und 
bezweckt, wie schon mehrfach erwähnt,'das künstliche Erhärten der 
Thonware.  Das Verfahren beim Brennen ist im allgemeinen ein 
zweifaches: Entweder die 'l'honwai-e wird nur einmal gebrannt und 
hiebei unmittelbar der Flamme ausgesetzt, oder sie wird zweimal 
gebrannt und hiebei in verschlossenen, feuerfesten Kapseln (aus Thon, 
Chamottemasse und Quarzsand) in den Ofen gestellt, vor Verunrei- 
nigung durch Flugasche und Rauch geschützt zu sein. Letzteres Ver- 
fahren wird bei den feinen 'l'honwaren, also Porcellan, feinem Steingut 
und Fayence in Anwendung gebracht, während gemeine Töpferware 
und grobes Steinzeug frei ins Feuer gestellt werden. 
Die Brennöfen, deren man sich in jenem Falle bedient, sind 
sogenannte stehende. Damit das Brennmaterial seine nützliehste 
Verwertung finde, sind sie in einer Höhe von drei Etagen auf- 
gebaut, in deren oberster das erste, das sogenannte Rohbrennen,
        

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