Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750351
zu untersuchen haben. (2. Theil, ornamentale Form.) Hier genügt 
es, vom technischen Standpunkte festzustellen, dass durch die 
Procedur auf der Töpferscheibe naturgemäß jede plastische Erhebung 
ringförmig auf der ganzen zugehörigen Zone des Gefäßes, auf dessen 
ganzen Umfang, ausgedehnt wird und also eine dementsprechende 
Umgestaltung (gleichsam Verallgemeinerung) erleidet. 
Plastische Gliederung wird bei dieser Töpferware daher in der 
Richtung der Rotation (d. i. in horizontaler Richtung) entfallen und 
bloß im Proül des Gefäßes (d. i. in verticaler Richtung) sich ent- 
wickeln können;ein reiches, bewegtes Profil ist deshalb 
die charakteristische Stilpointe der gedrehten YVaren. 
Ihr steht die rein malerische Decoration zur Seite, welche den plasti- 
schen Schmuck durch ihre eigenen Mittel zu ersetzen hat. (Auch in 
der Architektur lösen sich Plastik und Malerei in dieser Weise ab: 
Die Renaissance-Sculptilr im Gegensatz zur hellenischen Polychromie). 
Außer dem Formen aus freier Hand und der Procedur auf der 
Töpferscheibe kennt man noch ein Formen durch Pressen oder 
Gießen (in die Modellpatrone). In rein technologischer Hinsicht unter- 
scheidet sich dies Verfahren nicht wesentlich von der eben geschil- 
derten Methode, da es keine Eigenschaft der Thonmasse zur Vor- 
aussetzung hat, die nicht von uns bereits gekannt wäre. Dass es 
dagegen künstlerisch hinter jenen beiden Methoden weit zurück- 
steht, braucht nach allem Vorhergegangenen wohl nicht erst dar- 
gelegt zu Werden. 
3. Das Glasieren. Nachdem die geformte Masse bei gewöhn- 
licher Temperatur und ohne Zutritt der Sonnenstrahlen getrocknet 
worden ist, erfolgt das Auftragen der Glasur, dessen Zweck bereits 
weiter oben dargelegt worden ist. (Siehe Glasur.) 
Dasselbe kann nach einer vierfachen Methode vor sich gehen, 
nämlich: Entweder durch Eintauchen der schon erhärteten (vor- 
geglühten) Form in die wasserige Glasurmasse; oder durch Bestäuben 
der noch feuchten Form mit Glasurpulver; oder durch Begießen der 
(unporösen und deshalb nicht absorbierenden) Masse mit dicklicher 
Glasurbrühe; oder endlich durch Verilüchtigung, indem man gegen 
Ende des Brandes in dem Ofen einen salzigen oder metallischen 
Dampf bildet, dessen Niederschläge sich mit der Kieselerde der 
Masse zu einer Glasur verbinden. 
 Farbige Decoration. Dieselbe erfolgt durch Bemalen mit 
einer aus einem farbigen Metalloxyde und dem Flusse gebildeten 
Farbe unterhalb oder auf der Glasur und nachheriges Einbrennen.
        

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