Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750333
Thonwarenfabrication. 
1. Das Mischen. Es hat den doppelten Zweck, einerseits der 
Masse die nothwendige Homogenität durch inniges Vermengen ihrer 
Bestandtheile zu ertheilen, anderseits auch diese selbst in der geeig- 
neten Weise zusammenzusetzen und so der Masse die erforderlichen 
chemischen und physikalischen Eigenschaften zu verleihen. 
Man bedient sich hiebei großer Bottiche, in welchen die Masse 
(Mischung) mit Wasser zu einem Brei angemacht und umgerührt 
wird. Sodann erfolgt das Trocknen der Masse, welches den Zweck 
hat, ihr die zum Formen nöthige Consistenz zu geben. Es wird ent- 
weder durch Verdunstung an der freien Luft oder durch Aufsaugung 
(durch eine poröse Unterlage aus Gips oder gebranntem Lehm, auf 
welche die Masse gebreitet wird) oder durch Luftdruck (indem man die 
Masse in einen porösen Kasten bringt, unter welchem man die Luft 
verdünnt, so dass die über der Masse gelagerte Luftschichte durch- 
presst) oder durch Pressen der in hänfene Säcke gepackten Mischung 
bewirkt. Die so erhaltene Masse wird sodann (bei feinern Thonwaren, 
wie z. B. bei Porzellan) durch Kneten und Faulenlassen  (die bei 
der Fäulnis sich entwickelnden Gase halten die Massentheile in fort- 
wahrender Bewegung und bewirken auf diese Art eine gründliche 
Durcharbeitung)  nochmals durchgearbeitet, überall die gleiche 
Trockenheit zu erlangen und die stellenweise enthaltenen Luftblas- 
chen zu verlieren.  
2. Das Formen. Es ist begreiilicherweise von unserem Stand- 
punkte aus der beiweitem wichtigste Theil der Thonwarenfabrication, 
da es derjenige ist, in welchem das keramische Object zum Kunst- 
werke, die Thonwaren fabrication aber zum Kunsthandiverke wird. 
WVir haben schon Gelegenheit gehabt, in dem flüchtigen geschicht- 
lichen Überblick in Kürze darauf hinzuweisen, dass die ursprünglichste 
keramische Kunst sich bei ihren Erzeugnissen lediglich der freien 
Hand (einige einfache Formen von Modellierhölzern vielleicht ausge- 
nommen) bediente und den dieser Methode entsprechenden Stil der 
Keramik als einen vorwiegend plastischen bezeichnet. Und wirk- 
lich sind für den Modelleur, sofern er sich bloß der freien Hand als 
Werkzeugs bedient, die allgemeinen ästhetischen Grundsätze (welche 
im 2. Theil dieses Capitels unter „Ornamentale Form" dargelegt 
werden sollen) die einzige Schranke willkürlicher Formgebung 
und reiche plastische Decoration des Werkes somit sein volles und 
gutes Recht.
        

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