Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750318
Unter dem Einilusse der kunstgewerblichen Reformen der neue- 
sten Zeit, (welche die venetianischen Stilprincipien gegenüber 
den altböhmischen begünstigte), nahm die böhmische Glasfabrication, 
indem sie diese Principien teilweise acceptierte, von Neuem einen 
bedeutenden Aufschwung und steht heute auf dem YVeltInarkte 
in vorderster Reihe; insbesondere die Reinheit und Leichtigkeit der 
böhmischen Ware  zwei vom Standpunkte des Glasstiles wichtige 
Momente  werden von keinem anderen Erzeugnisse übertroffen. 
Deutschland besaß schon im frühen Mittelalter eine nicht unbe- 
deutende Glasindustrie, die aber erst in neuerer Zeit zu größerer 
Geltung gelangte. In England, Frankreich und Belgien dagegen 
fand die Glasfabrication im Großen erst gegen Ende des 17. und 
Anfang des 18. Jahrhunderts Eingang.  
Heute wetteifern diese Länder am YVeltmarkt mit Österreich 
um die Palme.  
Auch die alte Glastechnik in Venedig wurde in unseren Tagen 
aufs Neue mit großem Erfolge ins Leben gerufen und blüht nun 
wieder an der Stätte ihres alten Ruhmes. 
Ker 
amische 
Processe. 
In welchen Merkmalen die beiden keramischen Materialien, der 
Thon und das Glas, übereinstimmen und inwiefern sie daher den 
Stoff zu ein und derselben technischen Kunst abzugeben vermögen, 
haben wir gleich zu Anfang dieses Capitels dargelegt. Wir fanden 
als diese gemeinsamen Merkmale die Bildsamkeit (Plasticität), die 
Erhitrtungsfäthigkeit und die Homogenität der Masse. 
Gleichzeitig aber auch fanden wir, dass eben diese drei Haupt- 
eigenschaften des keramischen Stoffes nicht immer unter der gleichen 
Bedingung sich geltend machen, mit andern Worten, dass für 
Thon und für Glas unter verschiedenen technischen und proces- 
sualen Voraussetzungen die auf jenen drei Stoffqualitäten basierte 
Gestaltung des keramischen Productes vor sich geht. 
Es wird aus diesem Grunde wohl gerechtfertigt sein, wenn wir 
auch in diesem Capitel, gleichwie im vorigen, eine Trennung unserer 
Aufgabe nach den zwei keramischen Materialien vornehmen, ohne 
indessen die in der allgemeinen technischen Tendenz immerhin be- 
stehende innere Verwandtschaft der Thonwaren- mit der Glaswaren- 
fabrication zu verkennen. Die Verschiedenheit in der technischen
        

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