Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750246
Die Kunst der Bereitung der chinesischen Porzellanmasse war 
in Europa lange ein vielumforschtes Geheimnis. Da gelang es zu 
Anfang des 18. Jahrhunderts dem (als Adepten verrufenen) Joh. 
Fried. Böttger dieses Geheimnis zu lüften und die wahre ZLISEIJIJIDGII- 
setzung des Porzellans zu entdecken. Weil aber Böttgei- bei seinen 
kostspieligen Versuchen vom Dresdner Hofe sehr ausgiebig unterstützt 
worden War, gieng seine Erfindung anfänglich in die Hände des 
Staates über, der sie geheim hielt.  Gleichzeitig erfolgte die Er- 
richtung der nachmalig so berühmten Meissner Fabrik, deren erster 
Leiter Böttger ward. 
Die ersten Versuche dieser Fabrik waren auf täuschende Nach- 
ahmung des chinesischen Porzellans gerichtet, was auch glänzend 
gelang. Später machte sich ein merklicher Umschwung in der 
Stilrichtung der Meissner Manufactur geltend und kam jene üppig- 
plastiscbe Manier auf, welche den Barockstil in der modernen Ke- 
ramik eingeleitet hat.  Gegen Ende des 18. Jahrhderts endlich hatte 
sich auch diese Richtung überlebt und machte einer strengeren, 
antikisierenden Manier Platz, welche sich in einer überaus leichten, 
oft eierschalendünnen, mit zierlicher Emailnialerei geschmückten 
Ware gefiel.  
Inzwischen war das Geheimnis der Porzellanbereitung ver- 
rathen, die lllanufactui- daher allenthalben in Deutschland verbreitet 
worden. Von da an beherrscht die Porzellanware den gesammten 
keramischen Handel, fast alle übrigen keramischen Producte ver- 
drängend; dies währt bis in die allerneueste Zeit, welche  zunächst 
ihrer historischen Liebhaberei folgend  wieder Geschmack an den 
älteren Waren und ihrer Technik zu finden beginnt. 
b) Weiches (Fritten-) Porzellan. a) Französisches Frittenpor- 
zellan, ein Gemenge aus einer glasigen Masse (einem halbgeschmol- 
zenen Alkalierde-Silicat), Thon, Mergel und Kreide (als kalkhätltigem 
Bestandtheil). Es wurde schon Ende des 17. Jahrhunderts in St. 
Cloud bei Paris von einem Töpfer Namens Morin erfunden und hiemit 
die Fabrication dieser Porzellanart in Frankreich und Italien be-  
gründet. Im Jahre 1760 errichtete Ludwig XV. eine Manufactur 
1) Und mehr noch als dies: Nach Sempers geistreichem Worte, dass das eigent- 
liche Rococco nicht in Paris oder Versailles, sondern in Dresden, dem Ursitz alles 
Zopfes, geboren wurde, ist die Geschichte des Porzellanes mit der Baugeschichte 
des 18. Jahrhunderts auf das innigste verknüpft und die Formgestaltung jenes 
bestimmend gewesen für die Baukunst. Der Zwinger, das Japanische Palais, das 
Schloss Pilinitz sind solcherart die ersten Anfänge eines noch naiven Rococcostiles.
        

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