Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748695
Rhythmus mit mehrtheiligen Elementen. Man unterscheidet 
in der rhythmischen Gliederung eine dreifache Möglichkeit, nämlich: 
Entweder es kehrt ein und dasselbe rhythmische Element wieder, also 
die Wiederkehr erfolgt nach dem Schema a, a, u,   wie bei der 
einfachen Perlenschnur, der Rosettenreihe etc. etc., oder aber es 
wiederholen sich je zwei untereinander ungleiche Elemente nach dem 
Schema ab, ab     wie bei der durch eingeschaltete Scheibchen 
(Disken) bereicherten Perlenschnur, dem Eierstab (mit eingeschalteter 
Pfeilspitze), dem Herzblattmotiv, der Palmettenreihe etc.; oder endlich, 
jede rhythmische Partie besteht aus drei untereinander ungleichen 
Elementen, wonach ein Rhythmus nach dem Schema abc, abc,  
entsteht, wie bei der Perlenschnur mit doppelten Disken, oder der 
mit Löwenkölufen verzierten griechischen Sima, (welche an sich mit 
 
Rhyth 
nus mit einem Element. 
Rhythmus mit doppelten Elementen. 
der doppelelementigen Palmettenreihe verziert ist.) In der Dreilleit 
scheint indessen das Maximum der Znsammensetzbarkeit des rhyth- 
mischen Elementes erreicht zu sein, da (im Griechischen wenigstens) 
viertheilige Elemente nicht mehr vorkommen. Auch tritt bei mehr 
als dreigliedriger Theilung unzweifelhaft eine gewisse unklare und 
verworrene Wirkung ein, welche sich in demselben Maße steigert, 
gend, nicht allein im Hinblicke auf das Detail, sondern auch auf die großen Glie- 
derungen des Baues. 
S0 ist das Hauptwerk der gesammten antiken Kunst, der Tempel, von streng 
rhythmischer Anordnung; desgleichen sind es zahlreiche monumentale Bauwerke des 
gothischen und des Renaissancestiles, welche beide den antiken Grundsatz der 
eurhythmischen Gliederung acceptiert haben. Auch die moderne Architektur, als 
der Ausfiuss jener Kunstweisen, ist in ihren bedeutenden WVerken von oft reicher 
rhythmischer Entfaltung. 
Ein hervorragendes Beispiel dieser Art sind die neuen k. k. Hofmuseen zu 
iVien. Ein und dieselbe, in ihren Dimensionen gewaltige Bogenstellung läuft um 
alle vier Seiten des Baues herum und erscheint selbst in den durch die Länge des 
Baues nothwendig gewordenen Risaliten (an den Vorder- und liückfaeaden) nicht 
unterbrochen, sondern klingt auch hier verbindend durch,  den gesammten Bau 
zu einer großartigen rhythmischen Einheit zusammenfassend.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.