Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750197
Insbesondere strebt man ein dichteres Korn, d. h. größere Härte, 
und eine erhöhte Feuerbeständigkeit an; die Gefäßwandtingen werden 
dünner, die Formen zierlicher und auch die Farbe verändert sich; 
an Stelle des schmutzig-graubräunlichen Thongrundes tritt ein feuri- 
ges Orangegelb, das Schwarz dagegen erhält nicht selten einen 
gelinden Stich ins Grünliche. Anfänglich dient das Orange des 
Thongrundes der Malerei als Localton, von welchem sich die Zeich- 
nung schwarz abhebt. Später ändert sich die Technik dahin, dass 
man die Figuren im gelben Thongrund ausspart und die Zwischen- 
räume mit Schwarz ausfüllt. 
Neben dieser in der Farbe beschränkten Keramik gab es in 
Hellas auch noch eine polychrome Kunst, welche, mit jener parallel 
laufend und mit ihr gleichzeitig den Höhepunkt hellenischer Kunst- 
entivicklung erreichend, schließlich zur herrschenden wird. Sie leitet 
sich in ihrem Prineipe direct von der obenerwähnten uralten Methode 
der Bemalung auf weißen Pfeifenthongrund her und steht mit ihrer 
Technik im engsten Zusammenhange mit der zur Blütezeit Athens 
in der Architektur und Sculptur allgemein geübten enkaustischen 
Polychromieß) 
Die römische Keramik steht hinsichtlich des Materials auf der 
gleichen Stufe mit der hellenischen und acrzeptiert, obgleich in ihren 
künstlerischen Principien sich an die uralte plastische Methode ane 
lehnend, sowohl die Töpferscheibe als auch die Glasur, beide mit 
Geschick und technischer Vollendung beherrschend. 
Das Mittelalter war der Keramik im Allgemeinen nicht günstig. 
Nur das südliche und mittlere Deutschland betrieben eigentliche 
Kunsttöpferei, indem sie eine mürbe, plastisch decorierte Thonwaare, 
welche mit einer dicken, durchsichtigen und farbigen Bleiglasur 
überzogen war, erzeugten. In technischer Beziehung verwandt mit 
diesen Erzeugnissen ist unsere heutige sogenannte gemeine Töpfer- 
ware, welche dem Zwecke der gewöhnlichen Haushaltung und 
Küche dient. Man unterscheidet eine Weiß- und eine Brauntöpfer- 
ware. Zur Herstellung der ersteren benutzt man gewöhnlichen 
Gebiete der Holztektonik, dessen sich die Drechslerei nunmehr theilweise bemäch- 
tigt, das Auftreten eines zierlicheren Stiles. Unverkennbar sind die bei manchen 
Formentypen der Drechslerei zu leisem Ausdruck kommenden Anklänge an kerar 
mische Formen. 
1) Diese Art Malerei bedient sich nach Semper einer vielfarbigen harzigen, 
mehr oder weniger undurchsichtigen Paste, welche außer Wachs, Kieselerde ent- 
hält, und deren Befestigung bei einem nur sehr geringen Hitzegrad vor sich geht.
        

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