Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750178
Gelingen mit eine der wichtigsten Bedingungen der Technik der 
Töpferei bildet, stellt sich bei der Glasfabrication in der durch den 
Schmelzprocess flüssig gemachten Masse die Homogenität sozusagen 
von selbst ein. 
Vollends aber die Homogenität der Theile d. h. die Gleichartigkeit 
des Korns, die durchgängige Feinheit desselben kann lediglich beim 
Thone der Gegenstand besonderer Beachtung und als solcher einer 
gewissen Mannigfaltigkeit unterworfen sein; dagegen nicht beim 
Glase, dessen absolut dichter Zustand jede Variation in dieser Rich- 
tung (wenigstens für das Auge) ausschließt. 1) 
Der Thon lässt hinsichtlich der Feinheit seines Kornes die ver- 
schiedensten Abstufungen zu, bei welchen allen es stets nur darauf an- 
kommt, dass die Vertheilung der gröberen Theilchen in der gesamm- 
ten Masse eine gleichförmige sei. Solcherart erwachsen sogar aus 
dem Beisatze gröberer Theilchen gewisse Vortheile für das keramische 
Product, sowohl hinsichtlich seines technischen Gelingens, als auch 
seines künstlerischen YVertes. In jener Beziehung nämlich dadurch, 
dass in der Thonmasse in  regelmäßigen Abständen feste Ruhepunkte 
entstehen, welche die Zerbrechlichkeit der Masse nach ihrem Bren- 
nen nicht minder als die Gefahr des Springens während desselben 
verringern, indem etwaige Risse, an den erwähnten Ruhepunkte an- 
langend, im weiteren Verlaufe abgehalten werden. In künstlerischer 
Beziehung dagegen begünstigt der grobkörnige Stoff eine gewisse 
breitere und keckere Behandlung, deren Vorzüge in der größeren 
Unmittelbarkeit und Frische des Werkes zum Ausdrucke kommen. 
Der 
Thon. 
Vorkommen 
und 
Eigenschaften. 
Der Thon findet sich in der Natur als Rückstand bei der Ver- 
witterung thonerdehaltiger Kieselgesteine und besteht aus kiesel- 
saurer Thonerde. Die Thonerde ist eine Verbindung von 2 Aq. Alu- 
minium und 3 Äq. Sauerstoff; die Kieselsäure eine Verbindung von 
1 Äq. Silicium mit 3 Äq. Sauerstoff. Die allermeisten Thone ent- 
1) Nur durch einen sehr complicierten Schmelzprocess (nach Semper „Lamina- 
tionsprocess"), kann die Homogenität des Glases ebenfalls  man" möchte sagen 
künstlich  aufgehoben werden. Dieser Process besteht im Wesentlichen darin, 
dass verschiedenartige Glasschichten iibereinandergelegt und zusammengeschweißt 
werden, ein Verfahren, welches schon die Antike kannte. Im Principe stimmt diese 
Technik mit der Metallschweißung, wie die Antike sie gleichfalls übte, überein. (Siehe 
unter "Schweißung" im vorigen Capitel.)
        

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