Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750147
Für unsere gegenwärtige Betrachtung folgt daraus zunächst ein 
wichtiger Unterschied in der zu befolgendcn Methode der Darstellung 
gegenüber jener, welche uns in den beiden früheren Capiteln als 
Richtschnur diente. Dort nämlich wurde in dem dem technischen 
Producte gewidmeten Theil zunächst das „technische Element" 
und sodann das fertige (zusammengesetzte) Product in Betracht ge- 
zogen, wobei der Gang der Untersuchung gewissermaßen parallel 
mit dem technischen Vorgang in der Wirklichkeit verlief. In der 
That entsprach dies auch der zusammenfügenden Natur der textilen 
und tektonischen Kunst, deren Elemente an und für sich schon das Re- 
sultat einer gewissen technischen Bearbeitung sind, vollständig. Anders 
liegen nun die Dinge im Keramischen. Hier haben wir es mit keinem 
technischen Elemente in dem oben entwickelten Sinne zu thun. 
Denn die Kunst, deren Producte wie gesagt wesentlich aus 
einer Masseneinheit bestehen, erzeugt Formen, die nicht das Re- 
sultat einer Zusammensetzung aus einzelnen Elementen sind. Selbst 
die Bestandtheile eines Gefäßes, wie der Henkel, der Fuß, der 
Deckel u. s. w., wenn sie auch in rein formeller Hinsicht zu einem 
gemeinsamen Zwecke sich vereinigen, sind doch nicht als Elemente 
(zumal im technischen Sinne des Wortes) aufzufassen, und zwar des- 
halb nicht, weil ihnen das wesentliche Merkmal solcher: die bleibende, 
das vollendete Product in seiner Form bestimmende und nicht von 
ihm bestimmte Eigengestaltung abgeht. 
Die Bestandtheile eines Gefäßes, losgelöst aus ihrem Zusammen- 
hange und an sich betrachtet, sind bedeutungslos und unverständ- 
lich, wogegen sie in ihrer Vereinigung im Ganzen jene erhöhte 
Bedeutung erlangen, welche wir schon einmal (s. Tektonik) als eine 
individuelle bezeichnet haben und wonach jedem Theil eine ganz 
bestimmte, nur ihm eigene Function zufällt.1) Das keramische Ge- 
sammt-Product ist in diesem Sinne von organischer Zusammensetzung; 
seine Bestandtheile aber sind individualisierte Formen ohne 
die Bedeutung technischer Elemente. 
Unsere Betrachtung über das technische Product in der Kera- 
mik wird somit nur dem Gesa mmtp rod ucte gelten, dessen Gestal- 
tung unmittelbar aus dem keramischen Bildstoffe und ohne Vermitt- 
lung technischer Elemente erfolgt. 
"Gefäßformen". 
über 
Siehe
        

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