Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748681
Eurhythmie steht im Ornamentalen die Symmetrie; diesem entspre- 
chend ist das zweithöhere Reich, das Thierreich,  freilich mitein- 
geschlossen der Mensch  das eigentliche Entfaltungsgebiet natür- 
licher Symmetrie. Fast kein Thierkörper, der nicht symmetrisch 
aufgebaut Wärell) Die Proportion endlich, als das höchste unter 
den ornamentalen Gesetzen, findet ihren natürlichen Ausdruck am 
vollkommensten im menschlichen Leibe, denn selbst der edelste 
thierische Leib hält nicht den Vergleich aus mit dem wohlgebildeten 
menschlichen, wenn wir Feinheit und Ebenmaaß der Verhältnisse 
ins Auge fassen. Allererst im menschlichen Leib also feiert die 
Proportion ihre höchsten (Priumphe, und allererst in der Proportion 
die ornamentale Kunst ihre Vollendung: Kein Wunder daher, wenn 
die ornamentale Kunst in ihren höchsten Erzeugnissen sich des 
menschlichen Leibes bedient als ihres edelsten Motivs. 
Eurhythmie 
(Reihung) 
Das eurhythmische Zahlengesetz. Es folgt aus dem Wesen 
des Rhythmus, dass er zu seiner Wirkung einer Wiederholung, einer 
Vielheit der Elemente bedarf, und es entsteht deshalb die nahe- 
liegende Frage, wie viele gleiche Elemente mindestens vorhanden 
sein müssen, damit das Auge den Eindruck rhythmischer Anordnung 
erhält. Vergegenwärtigen wir uns zu diesem Zwecke zunächst die 
Wirkung von bloß zwei Elementen, so werden wir sofort bemerken, 
dass dieselbe offenbar noch keine rhythmische genannt werden kann, 
wogegen in einer Wiederkehr von auch nur drei Elementen ein 
rhythmischer Effect sich schon deutlich ausspricht. Der Grund dieser 
Zahlengrenze liegt nun zweifellos darin, dass bei zwei Elementen 
das Gesetz der Symmetrie ganz entschieden in den Vordergrund 
tritt, während bei drei Elementen durch die abermalige und aus 
bloßen Gründen der Symmetrie überHüssige NViederholung der Rhyth- 
mus gleichsam das Übergewicht über die Symmetrie erhält. Es 
scheint demnach die Dreizahl das Minimum der zur rhythmischen 
Wirkung erforderlichen Anzahl von Elementen zu sein, eine Wirkung, 
die sich indessen naturgemäß mit der Anzahl dieser Elemente steigert. 2) 
1) Einige Fischarten und die Mollusken, sowie die allerniedersten, an der 
Grenze pßanzlichen Lebens stehenden Thierarten ausgenommen. 
2) Die Eurhythmie ist in diesem Sinne nicht bloß eines der wirkungsvollsten 
Mittel der Ornamentik, sondern auch der Architektur, und zwar, letztere anbelan- 
an der
        

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