Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750072
siver in ihren Formen, hauptsächlich bestimmt sind, an dem Orte 
ihrer Aufstellung stehen zu bleiben und welche deshalb vermittelst 
ihrer Stützen mit dem Fußboden in einen solideren Zusammenhang 
gebracht werden müssen, wie der Schrank. 
Aus diesem Grunde auch ist z. B. die hoeh- und dünnbeinige 
Rococo-Commode unter allen Möbelarten dieses Stils die eigentlich 
einzige unästhetische Form und als eine leidige Concession an absolut 
ornamental-stilistische Forderungen zu betrachten; wogegen uns 
der Kastenstil der Renaissance, insbesonders der italienischen und 
deutschen, als eine völlig gelungene, freilich nach einem etwas an- 
dern, halb architektonischen Princip durchgeführte Lösung dieses 
Halbmöbels zu erscheinen hat. 
So hat jede Zeit nicht bloß ihren Stil, sondern auch ihren 
Typus, in welchem sich jener am angemessenstcn auszusprechen 
vermag. Die Renaissance mit ihrem großen, monumentalen Zuge 
war dem architektonischen Halbmöbcl günstiger, die Barocke, zu- 
mal das Rococo, dagegen mit seiner  trotz aller Gesammtdisposi- 
tion --'doeh unarchitektonischen Tendenz 1), welche ornamental- 
structive Grundsätze fast ganz an Stelle bauconstructiver gesetzt 
hatte, dem eigentlichen Möbel, als dessen Repräsentant uns in erster 
Linie der Sessel, in zweiter Linie der Tisch zu gelten hat. 
Der 
Tisch. 
Wir können uns bei der Erläuterung dieses Möbels insoferne 
kürzer fassen, als wir den einen seiner structiven Bestandtheile, 
die Stütze nämlich, soeben allgemein besprochen haben. Der zweite 
Bestandtheil des Tisches ist die Tafel. Sie ist der eigentliche Haupt- 
theil, welchem die Beine, das Gestelle, zweckdienlich untergeordnet 
sind. Denn zweifellos ist der ornamental-structive Gedanke des 
Tisches der, eine ebene Fläche von angemessener Ausdehnung in 
ruhiger horizontaler Lage über den Fußboden zu erheben. 
Der Tisch ist auf diese Art nicht nur in seiner ganzen Zweck- 
dienlichkeit, sondern auch in seiner Construetion abhängig vom 
Sessel und gewissermaßen dessen Ergänzung; wenigstens überall 
dort, wo er im unmittelbaren Dienst menschlicher Handhabungen 
auftritt und nicht etwa bloß den Zweck einer Stellage erfüllt, einer 
Unterlage für ein Daraufzustellendes. (Obgleich auch diese letz- 
tere 'l'ischforin in ihrem Habitus der ursprünglichen Form sich im 
 Hat sich doch die Barocke darin gefallen, die im Möbelbau übliche Halb- 
architektur ihrer Vorgängerin, der Renaissance, auf die Baukunst anzuwenden.
        

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