Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriss der kunstgewerblichen Formenlehre
Person:
Feldegg, Ferdinand von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-748370
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-750057
Das Stützwer k. Es bildet in Verbindung mit dem Gestützten 
eine der drei Grundformen der Tektonik, nämlich das Gestelle 
(siehe darüber weiter oben das ,.,Tektonische Gerüste") und ist so- 
mit einer der constructiv wichtigsten Bestandtheile des Möbels. 
Stützen bedeutet in des Wortes eigentlicher Bedeutung etwas 
tragen, ernporhalten, also in einer gewissen eonstanten Ent- 
fernung von der Unterlage auf dieser befestigen. Die Beziehung 
einer jeden Stütze ist somit eine zweifache, einerseits nämlich zu 
dem gestützten Gegenstande, anderseits zur Grund- oder Standfläche. 
Es kann nach allem Vorhergegangenen für uns nicht fraglich 
sein, dass von diesen beiden Beziehungen beim Möbel zunächst die 
erstere für die structiv-ornamentale Gestaltung der Stütze maßge- 
bend sein wird. 
Da nämlich das Möbel nicht bestimmt via fit 
ist mit dem jeweiligen Orte seiner Vcr-  
Wendung in fester Verbindung zu bleiben,  ii 
sondern im Gegentheil eben die Mobilität,  i 
die Beweglichkeit, sein wesentliches Merk- X   
mal ist, so ergibt es sich, dass die Beziehung  
des Stützwerks zur Unterlage keine absolute   ä] 
sein wird. Dagegen aber wird eine solche    
Beziehung wohl bestehen zwischen dem    
Möbel, respective zwischen dessen durch    
die Stützen getragenen Haupttheil, und eben     
diesen Stützen. Die erste und maßgebendste   
Stellung also der Stütze beim Möbel wird 
diejenige sein, welche es zum Gestützten Antiker Stuhl- 
selbst einnimmt. 
Auf welche WVeise nun wird diese Beziehung der Stütze zum 
Gestützten im Möbel zunächst zum Ausdruck gelangen? Offenbar, 
da. es sich dabei um eine Kräfteentfaltung in einer bestimmten Rich- 
tun g handelt, durch ornamentale Versinnbildlichung und formale 
Betonung eben dieser Richtung. 
Das Stützwerk hat demgemäß im Möbel die Richtung vom Ge- 
stützten gegen die Unterlage, die Standliäche, zu nehmen. 1) 
1) Dies bringt die Stütze beim Möbel in einen constructiven Gegensatz zur 
architektonischen Stütze; denn beim Bauwerk, welches auf seiner Standfläche unver- 
rückt stehen bleibt, welches unbeweglich ist, befindet sich die Stütze auch zur Stand- 
ßäche in einem ähnlichen Stabilitätsverhältnisse als zum Getragenen.
        

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